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Ratten und Wanzen: Russen wollen nicht wählen

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Ratten und Wanzen: Russen wollen nicht wählen

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In Russland wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Spitzenkandidat der Partei “Geeintes Russland” ist Staatschef Dmitri Medwedew.

110 Millionen Russen sind aufgerufen, über die 450 Sitze der Staatsduma zu entscheiden. Es gilt als sicher, dass die Regierungspartei Geeintes Russland gewinnt.

Die Opposition wirft Russlands Führung vor, ihre Machtposition vor dem Urnengang massiv für Wahlpropaganda auszunutzen.

Viele Menschen, wie zum Beispiel im sibirischen Kurgan, sind jedoch der Politik überdrüssig. Nur wenige engagieren sich noch.

Für die meisten in Kurgan sieht das Leben trist aus. Sie glauben nicht, dass sich nach der Wahl etwas ändert.

Galina Lebedeva (52) aus Kurgan hat nicht vor zu wählen. Alles sinnlos, sagt sie. Ihr Haus, in dem sie mit fünf anderen Familienmitgliedern lebt, ist am Zusammenbrechen. Ratten leben in den Löchern. Gegen die Wanzen hat Galina den Kampf längst verloren.

Von der Gemeinde hat sie einen Brief erhalten. Darin steht, es werde bald jemand geschickt werden, um die nötigen Reparaturen in ihrem Haus vorzunehmen, damit die Ratten nicht mehr hervorkommen. Galina glaubt nicht mehr daran.

Auch Oxana Karlomowa (40) hat die Hoffnung aufgegeben. Ihre kleine Enkelin liegt in einer Wiege, sie ist einen Monat alt. Oxana hat Angst, dass die Ratten das Baby beißen, die Wanzen versucht sie mit Tüchern von der Kleinen fernzuhalten.

Oxana sagt unter Tränen: “Ich lege immer Tücher über ihr Bett. Damit sie nicht gebissen und gestochen wird. Ich bin verzweifelt. Ich habe keine Arbeit. Ich weiss nicht, wie ich sie groß bringen soll.”