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Unzufriedenheit in Russland

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Unzufriedenheit in Russland

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Wladiwostok – der Name der Stadt am Pazifik bedeutet “ferner Osten”. Hier stehen auch noch die Denkmäler aus nicht ganz so ferner Zeit, jenes der “Partisanen vom Amur”, deren Feldzug vor rund 90 Jahren die Sowjetmacht bis an den Stillen Ozean brachte. Daneben Sowjetvater Lenin.

Der hat natürlich auch im Büro des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei für die Region Primorski seinen Platz. Wladimir Grischukow erklärt den Wahlerfolg seiner Partei vor allem mit der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lage am äußersten Ostende Russlands. Es fehlt an Wohnungen, an Arbeit, von Aufstiegschancen gar nicht zu reden. Die jungen Leute gehen weg. Längst ist die Sterberate höher als die Geburtenrate.

Viele Russen, die für die Kommunisten gestimmt haben, wollen keineswegs die Sowjetunion zurück.

Sie wollten damit nur ihre Unzufriedenheit mit der Regierungspartei ausdrücken. So erklärt auch der Student Alexei Schilowitsch seine Wahlentscheidung.

Wladimir Pozner wurde vor knapp 25 Jahren als der sowjetische Fernsehjournalist bekannt, der die “Space bridge” , die erste LIVE-Diskussion von Sowjetbürgern mit Amerikanern, moderierte.

Er sagt heute: “Die Leute verstehen nicht, was die Regierung tut, wohin sie will. Sie fragen besorgt nach den Zukunftsaussichten für ihre Kinder.

Dazu kommt das Gefühl, absolut schutzlos zu sein, der Behördenwillkür völlig ausgeliefert zu sein. Sie haben das Gefühl, dass in den Gerichten keineswegs Recht gesprochen wird, dass Polizisten tun können, was sie wollen. Wenn so jemand einem sein Geschäft wegnehmen will, dann kann der das tun. Die Leute fragen sich, ´was kann ich da noch tun´?”

Ein anderer Kritiker ist Michael Gorbatschow. Für viele Russen der Schuldige am Zusammenbruch der Sowjetunion, in der es wenigstens auf niedrigem Niveau soziale Sicherheit gab. Er sagt: “Wir haben keine echte Demokratie und die wird es auch nicht geben, weil die Regierung Angst hat vor dem Volk. Angst, ihre Projekte offen darzulegen.”

Der aktuelle Regierungschef Wladimir Putin hat heute bei der obersten Wahlbehörde seine Papiere für die Präsidentenwahl im kommenden März vorgelegt.