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Auf dem Lehrplan russischer Schulen stehen Schießen und Fechten an erster Stelle

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Auf dem Lehrplan russischer Schulen stehen Schießen und Fechten an erster Stelle

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Bedingt durch den Zerfall der Sowjetunion wurde auch das Bildungssystem dezentralisiert. Wie steht es heute um die Bildung in der Ex-UdSSR, 20 Jahre nach diesem historischen Moment? Um das herauszufinden, gingen wir nach Russland und in die Ukraine. Und wir sprachen mit der Expertin Carole Sigman in Paris.

Kadetten-Schule

Kadetten-Schulen sind auf dem Vormarsch im heutigen Russland, insbesondere für Mädchen. Wie zum Beispiel in einem Internat, das jungen Frauen militärische Ausbildung sowie Kochen und Tanzstunden bietet. Das Ziel ist die Ausbildung von starken Frauen, die selbst in schwierigen Zeiten in der Lage dazu sind, sich selbst zu verteidigen.

Die 2004 gegründete Kadetten-Schule wird vom Staat finanziert. Ein Großteil des Lehrplans dient der militärischen Ausbildung. Laut Statistik wird ein Drittel der Mädchen die Beamtenlaufbahn einschlagen und auf die weiterführenden Schulen des Innenministeriums und des Sicherheitsdienstes gehen.

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Carole Sigman

Carole Sigman ist eine Expertin für das sowjetische Bildungssystem. Sie spricht über die Bildungs-Unterschiede vor und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Nach ihrer Meinung leidet die Schulbildung heutzutage in Russland wie in vielen anderen Ländern an mangelnder Finanzierung. Das sei früher anders gewesen: Einerseits waren die Unternehmen an der Finanzierung beteiligt, andererseits mussten die Absolventen nach ihrem Uni-Abschluss die ersten drei Jahre für diese Unternehmen arbeiten.

Dieses System erlaubte die Förderung der sozialen Unterschicht.

Doch die Finanzierung ist rückläufig, was den Universitäten das Recht auf eine gewisse Autonomie gibt – mit einer Quote von kostenpflichtigen Studienplätzen. Die vom Staat bezahlten Stipendien werden unabhängig vom Familieneinkommen nach der Leistung der Schüler vergeben. Die Unternehmen haben sich aus der Hochschulfinanzierung zurückgezogen und der Staat agiert wie früher. Nur noch etwa vierzig Universitäten werden staatlich gefördert, ungefähr 5 bis 6 Prozent der Gesamtzahl. Für Carole Sigman gehören der freie Unizugang und der daraus resultierende soziale Aufstieg damit sicherlich der Vergangenheit an.

“www.cairn.info”:http://www.cairn.info/resume.php?ID_ARTICLE=POX_085_0181
urss-fin-de-parti-e-les-annees-perestroika

Ukraine

In der Ukraine kann eine Geschichtsstunde auf verschiedene Weise gelehrt werden, in diesem Land mit seinem schwierigen Erbe, aufgeteilt zwischen Anhängern der Sowjetunion und Unterstützern der Unabhängigkeit. Wir begleiten den Geschichtsunterricht in zwei verschiedenen Schulen, in Lemberg und Kiew.

Nach Lehrern und Schülern ist eine der umstrittensten Unterrichtspunkte der Umgang mit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, als nationale Aufständische erst gegen die Nazis kämpften und dann die Sowjets herausforderten.

Nach Ansicht der Schüler haben Lehrer eine entscheidende Rolle, da Geschichtsbücher nicht genügend Informationen bieten.

20 Jahre nach der Unabhängigkeit sind die Ukrainer noch immer auf der Suche nach einer stabilen Position ihres Landes zwischen Ost und West.