Eilmeldung

Eilmeldung

Der Schriftsteller und die verschwundene Ehefrau

Sie lesen gerade:

Der Schriftsteller und die verschwundene Ehefrau

Schriftgrösse Aa Aa

Das Leben des Schriftstellers Paul ändert sich schlagartig, als seine Frau Sarah von einem Tag auf den anderen verschwindet. Spurlos. Niemand weiß etwas. Paul bleibt nicht nur mit den beiden Kindern zurück, sondern auch mit einem Haufen Schuldgefühlen, Zweifeln, Fragen. Schließlich entscheidet er sich, Paris zu verlassen und mit den Kindern nach Saint-Malo zu gehen, den Ort seiner Kindheit.

Der Film basiert auf dem gleinamigen Roman von Olivier Adam, der auch am Drehbuch mitschrieb. In Deutschland erschien der Roman unter dem Titel “Gegenwinde.” Euronews traf die Filmemacher um Regisseur Jalil Lespert in Lyon bei einer Filmvorführung. Die Hauptrolle spielt der preisgekrönte Benoît Magimel.

Magimel: “Der Film zeigt sowas wie einen Initiationsritus, Paul wird Vater, er wird zu Mann, zum Schriftsteller und ich denke, er stand am Ende neben sich selbst, neben seiner Frau, wie er selbst sagte: wenn er nochmal könnte, würde er sie besser lieben, er würde sich gerne verbessern und ich denke, am Ende des Films hat er das auch geschafft. Das liegt wohl daran, dass er jemanden trifft, ich denke, in schwierigen Momenten hilft es, sich jemand anderem zuzuwenden, als daheim zu versauern.”

In Saint-Malo trifft Paul seinen Bruder, mit dem er jahrelang keinen Kontakt hatte. Und beide kämpfen mit den Schatten ihrer Vergangenheit, etwa dem Verhältnis zum Vater. Die Bruderrolle spielt Antoine Duléry – eigentlich vor allem auf Komödien gebucht, zeigt er hier, wie vielseitig er ist.

Antoine Duléry: “Es gibt Regisseure, die haben wenig Phantasie. Aber nicht alle sind so. Wenn ein Schauspieler wie Jalil Lespert Regier führt, dann kennt er die Schauspieler, und er weiß sehr gut, dass wir auch andere Dinge tun können als die, für die man uns meistens bucht. Daher danke ich ihm, er weiß einfach, aus welchem Holz wir geschnitzt sind.”

Es ist Lesperts zweiter Film als Regisseur. Ursprünglich studierte der heute 35jährige Jura, 1995 wandte er sich dem Film zu und 2001 erhielt er bei den Filmfestspielen in Cannes einen Cesar als bester Nachwuchsdarsteller in Larent Cantets Film “Ressources humaines.” Am Set pflegt er eine Mischung aus strikten Regeln und freier Improvisation.

Regisseur Jalil Lespert: “Klar kann man improvisieren, aber das geht nur an bestimmten Stellen. Im großen und ganzen folge ich dem Prinzip, dass man eine sichere Struktur braucht, um improvisieren zu können. Das ist wie beim Jazz, man improvisiert ja auch nicht einfach über Nacht drauf los, indem man in ein Saxophon bläst, man muss die Musik sehr gut kennen. Sobald die Struktur klar ist, dann lässt man einfach ein wenig Spontanes heraus, und die Kamera macht nichts anderes, als das einzufangen.”

Auch die Nebendarsteller in diesem Film glänzen. Neben dem Belgier Boulil Lanners hat auch die Schwester von Laetitias Casta Marie-Ange Casta ihren Auftritt, genau wie Ramzy Bédia. Seit dem 14. Dezember gibt es die Antworten auf die Fragen, was mit Pauls Frau passiert ist, ob er seinen Frieden findet und vielleicht auch darauf, wer da angerufen hat, im Kino zu sehen.