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Libyen - wie weit darf Versöhnung gehen?

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Libyen - wie weit darf Versöhnung gehen?

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Der Übergangsrat sagt Versöhnung – so mancher Diktatur-Gegner in Libyen versteht “jetzt kommen die Gaddafi-Funktionäre zurück”.

In Bengasi, wo der libysche Aufstand begann, haben zum ersten Mal tausende gegen den Nationalen Übergangsrat und seinen Chef Mustafa Abdul Dschalil demonstriert – und tausende andere für ihn.

Der Demonstrant Adel al-Falah:

“Ich habe Mustafa Abdul Dschalil etwas zu sagen: Bitte lassen Sie uns in Ruhe, wenn Sie uns nicht helfen können. Bitte überlassen Sie irgendjemand anderem die Chance, uns zu geben, was wir brauchen. Wir brauchen einen Präsidenten, der uns weiterbringt.”

Abdul Dschalil hatte von einem Libyen gesprochen, das in der Lage sei, den Mitläufern des alten Regimes zu vergeben – nicht ganz freiwillig. In Gaddafis Libyen gab es außerhalb des Machtapparats so gut wie keine Fachleute.

Und die Probleme sind gewaltig. Die Nummer eins: Waffen. So soll die Hauptstadt Tripolis bis zum Jahresende möglichst frei von Waffen sein, die dort sogenannte “Revolutionstruppen” tragen – sie hatten bis Oktober gegen die Einheiten von Ex-Diktator Gaddafi gekämpft.

Im ganzen Land soll es noch 120 Brigaden geben, die gelegentlich auch aufeinander losgehen.

Kritiker des Übergangsrats vermissen Transparenz und berechenbare Sicherheitskräfte. Nicht einmal genügend Bargeld gebe es.

Bis zum kommenden Juni soll in Libyen ein Nationalrat bestimmt werden, der eine neue Verfassung ausarbeitet und freie Wahlen vorbereitet.

mit afp, Reuters