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Chirac nimmt Verurteilung hin

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Chirac nimmt Verurteilung hin

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Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac verzichtet auf eine Berufung gegen seine Verurteilung. Als erster ehemaliger Präsident der Republik war der 79-Jährige wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder und Vertrauensbruchs an diesem Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Ihm sei kein Fehler vorzuwerfen, aber er nehme das Urteil an, ließ Chirac am Abend mitteilen. Am Prozess hatte er nicht teilgenommen, Ärzte haben ihm Gedächtnisstörungen attestiert.

Premierminister François Fillon, ebenfalls aus dem konservativen Lager, erklärte, er sei nicht gewöhnt, Justizentscheidungen zu kommentieren. Aber diese hier komme wirklich zu spät, über 20 Jahre nach den Taten. Das Urteil werde aber seiner Ansicht nach nichts an dem persönlichen Verhältnis ändern, das zwischen Jaques Chirac und den Franzosen bestehe.

Das Verfahren war wegen Chiracs Immunität als Präsident über Jahre hinausgezögert worden.

Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande kommentierte seinerseits, dem Recht müsse Genüge getan werden, und dies sei geschehen. Es sei wahr, das Urteil sei hart, es sei ein strafrechtliches wie moralisches Urteil, und treffe Chirac als Menschen. Seine Gedanken seien bei Chirac, auch wenn dem Recht habe Genüge getan werden müssen.

Die Taten gehen auf die 90er Jahre zu Chiracs Zeit als Pariser Bürgermeister zurück. Das Gericht erklärte ihn für schuldig, fiktive Beschäftigungsverhältnisse im Pariser Rathaus für Personen geschaffen zu haben, die in Wirklichkeit für seine Partei und seine Präsidentschaftsambitionen in Diensten standen.