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Die Terroristenkarriere des Ilich Ramirez - alias "Carlos"

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Die Terroristenkarriere des Ilich Ramirez - alias "Carlos"

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Ilich Ramirez Sánchez sitzt seit 17 Jahren im Pariser Gefängnis für die besonderen Fälle, La Santé. Wegen mehrerer Morde an Franzosen in den 70er Jahren ist er bereits zu lebenslanger Haft verurteilt. In diesem Prozeß ging es um Straftaten in den 80er Jahren.

Paris, rue Marbeuf, April 1982. Vor dem Gebäude der Zeitung El Watan Al Arabi explodiert eine Autobombe. Ein Toter, 63 Verletzte.

Einen Monat zuvor waren bei einem Anschlag auf einen Schnellzug 5 Menschen gestorben.

Mit diesen Gewalttaten wollte Carlos seine Freundin Magdalena Kopp freipressen, die im Februar von der französischen Polizei in Paris mit einem Auto voller Sprengstoff gefasst worden war.

Auch der Mord an 5 Reisenden in Marseille im Dezember 1983 gehörte zu Carlos´Privatkrieg gegen den französischen Staat.

Begünstigt wurden seine Taten durch die Feindschaft der Blöcke im Kalten Krieg.

Diverse ost-europäische Geheimdienste boten ihm zeitweise Unterschlupf. Dieser Prozeß ist erst durch Dokumente aus den Archiven der deutschen Stasi-Unterlagen-Behörde möglich geworden.

Am 21. Dezember 1975 überfielen 6 Terroristen das OPEC-Hauptquartier an der Wiener Ringsstraße und brachten 62 Menschen in ihre Gewalt, darunter 11 Erdölminister. Damit begann die Attentäter-Karriere des damals 24-jährigen. Drei Tote, eine spektakuläre Entführung – Carlos fühlte sich als Held, wurde aber von seinen Auftraggebern von der radikalen Palästinenserorganisation PLFP verstoßen wegen des Verdachtes, Lösegeld unterschlagen zu haben.

1997 stand er in Paris erstmals vor Gericht. Drei Jahre, nachdem er auf rechtlich umstrittene Weise von einer französischen Spezialeinheit aus dem Sudan entführt worden war. Dort hatte er sein letztes Asyl gefunden.

“Of course, it is an political trial….”

Die Frau, die hier von einem politischen Prozeß spricht, ist seine französische Anwältin Isabelle Coutant-Peyre, die er im Gefängnis heiratete.

Sein Vater, ein linker Anwalt aus Venezuela, hatte die Söhne zu Revolutionären erziehen wollen und gab ihnen deshalb die Namen von Lenin.

Dann schickte er die zwei älteren nach Moskau, wo sie nach kurzer Zeit wegen Diziplinlosigkeit von der Universität verwiesen wurden. Bis zu seinem Tod blieb Vater Ramirez dabei, sein Sohn sei kein Terrorist sondern ein revolutionärer Kämpfer, der sein Leben dem Kampf des palästinensischen Volkes geweiht habe.

Am Ende hatten sich alle Freunde und Auftraggeber von ihm abgewandt – oder waren selbst verschwunden.