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Vorontsov: "Kim Jong Un wird oft mit seinem Großvater verglichen"

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Vorontsov: "Kim Jong Un wird oft mit seinem Großvater verglichen"

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Was kommt nach dem Tod von Kim Jong Il? Und wie wird sein Nachfolger agieren? Darüber hat euronews-Redakteurin Julia Poukhli mit dem russischen Experten Aleksandr Vorontsov vom Orient-Institut in Moskau gesprochen.

euronews:

Die Welt wartet atemlos darauf, wie es nun in Nordkorea weitergeht. Der 29-jährige Erbe von Kim Jong Il wurde offiziell als neuer Machthaber eingesetzt. Aber wer hat nun tatsächlich die Zügel in der Hand?

Vorontsov:

Kim Jong Un natürlich. Er hat formell die Macht, er ist der offizielle Nachfolger. Er wurde ja bereits vor einiger Zeit nominiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das offiziell gemacht wird. Natürlich ist er jung, natürlich fehlt ihm die Erfahrung. Aber die Berater von Kim Jong Il werden ihm helfen. Das ist nichts Neues, das bedeutet nicht, dass er in seinen Entscheidungen nicht unabhängig wäre. Es zeigt, dass die Macht in Nordkorea immer ein Balanceakt zwischen der Führung und dem Kollektiv ist. Die Frage ist, wie dieser Balanceakt nun tatsächlich umgesetzt wird.

euronews:

Über den neuen Machthaber Kim Jong Un ist wenig bekannt. Man weiß nur, dass er in den letzten zwei Jahren auf die Machtübernahme vorbereitet wurde. Was befähigt ihn dazu, Nordkorea zu führen?

Vorontsov:

Er vermittelt den Eindruck eines kompetenten und würdigen Mannes. Auf jeden Fall hat er in seiner Einarbeitungszeit keine Fehler gemacht. Er war immer an der Seite seines Vaters, er war für die Bevölkerung präsent. Und die Menschen haben ihn im Großen und Ganzen akzeptiert. Ich und auch andere ausländische Beobachter haben gehört, wie die Leute auf der Straße ihn mit seinem Großvater verglichen haben, mit Kim Il Sung, den die Koreaner sehr verehrt haben. Natürlich fehlen uns noch die Erfahrungswerte. Aber zumindest hat er sich bis jetzt als fähige Persönlichkeit präsentiert und es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass er sehr bald die nötige Erfahrung haben wird.

euronews:

Kim Jong Ils Tod kann auch als Chance für einen Wandel gesehen werden. Gibt es dafür Anzeichen?

Vorontsov:

Ob Nordkorea eine neue Richtung einschlägt, ob ein schneller und nachhaltiger Wandel kommt, hängt nicht allein von Pjönjang ab, sondern auch von seinen Nachbarn. Im Moment kann man sagen, dass das Schicksal den Kontrahenten Nordkoreas – etwa den USA, Südkorea oder Japan – eine Chance bietet, also all jenen Staaten, die in den vergangenen Jahren eine Politik verfolgt haben, die Pjönjang isolieren und Druck auf die Führung des Landes ausüben sollte. Vielleicht meinen sie, dass nun die Chance besteht, bei Null zu beginnen. Aber wenn sie der Versuchung, die Jugend und die mangelnde Erfahrung des neuen Machthabers auszunützen, nachgeben sollten, wenn sie versuchen, den Druck auf das Land zu erhöhen, um das Regime zu einem Kurswechsel zu bringen, dann wären alle Hoffnungen auf einen Wandel, auf einen Richtungswechsel, vermutlich vergeblich.