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Der Gazakrieg von 2008 - aus palästinensischer Sicht

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Der Gazakrieg von 2008 - aus palästinensischer Sicht

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Blumen – eines der wenigen Exportprodukte aus dem Gazastreifen. Drei Jahre nach dem Gazakrieg zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas erläutert euronews in diesem Bericht und einem Interview die heutige Sicht der Palästinenser auf diesen Waffengang. Israel hat den Gazastreifen abgeriegelt und lässt auch keine Landwirtschaftsprodukte in Richtung Westjordanland oder Israel passieren. Die palästinensische Handelsbehörde PALTRADE vermeldet, 60 % der Industriebetriebe im Gazastreifen könnten exportieren, wenn Israel das erlauben würde. Da stellt sich die Frage, woher diese Betriebe ihr Material bekommen, da Israel nichts hineinlässt. Einzige Erklärung: Durch die Tunnel, die die Palästinenser unter der Grenze zu Ägypten ständig bauen und ausbauen. Dass durch die Tunnel auch Waffen und Material für Raketen geschmuggelt wurden, war 2008 einer der israelischen Krieggründe.

Die auf der Karte schwarz markierten Grenzübergänge sind seit 3 bzw. 4 Jahren geschlossen. Rot bezeichnet u.a. Rafah für die Lieferung von medizinischem Material aus Ägypten.

Grün im Norden markiert den Punkt für die Treibstofflieferungen und im Süden an der ägyptischen Grenze eine Art “Checkpoint Charly”, einen Übergang für Diplomaten.

Israel hatte am 27. Dezember 2008 mit Luftangriffen seine Offensive “Gegossenes Blei” begonnen. Sie dauerte bis zum 18. Januar 2009.

Im September 2009 wurde ein vom UN-Menschrechtsrat in Auftrag gegebener Sonderbericht veröffentlich, den vier Autoren unter Leitung des ehemaligen südafrikanischen Richters Richard Goldstone verfasst hatten. Darin ist von mehr als 1400 toten Palästinensern die Rede. Der israelischen Armee wird vorgeworfen, völkerrechtlich geächtete Munition eingesetzt, zivile Ziele angegriffen und den Tod von Zivilisten in Kauf genommen zu haben. Es war von einer Klage vor dem Internationalen Strafgerichtshof die Rede.

Im “Goldstone-Bericht” werden auch der palästinensischen Seite Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen wie der Missbrauch von zivilen Wohngebieten und Krankenhäusern als Kampfbasen. Nachdem der UN-Menschenrechtsrat den Bericht akzeptiert hatte, stellte im April 2011 ein Artikel in der “Washington Post” Israels Mitverantwortung an der Eskalation des Krieges in Frage. Hauptautor Richard Goldstone hatte seine Meinung geändert, woraufhin sich seine drei Mitautoren von ihm distanzierten. Und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte daraufhin, sein Militär habe niemals Zivilisten angegriffen, habe sich im Gegensatz zur Hamas immer an internationale Regeln gehalten.

Zum Gazakrieg war es gekommen, nachdem die verfeindeten palästinensischen Brüder von Hamas und Fatah sich völlig entzweit hatten und jeder sein Gebiet allein regierte. Am 22. Dezember 2011, kurz vor dem 3. Jahrestag des Krieges, setzten sie sich wieder an einen Tisch. Dem vorausgegangen war ein Gefangenenaustausch. 1027 in Israel inhaftierte Paläsinenser gegen einen vor 5 Jahren von der Hamas entführten israelischen Soldaten.

Anfang Dezember hatte ein Palästinenservertreter das EU-Parlament aufgefordert, Druck auf Israel auszuüben, damit dort die Rechte palästinensischer Inhaftierter gewahrt werden. Proinsias de Rossa, Vorsitzender des EU-Delegation für Beziehungen mit der palästinensischen Autonomiebehörde antwortete: “Wenn sich die Israelis nicht dafür schämen müssen, wie sie gefangene Palästinenser behandeln, dann sehe ich auch keine Grund, warum sie uns nicht erlauben sollten, die Gefangenen zu besuchen und uns selber ein Bild zu machen.”