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Ein Meilenstein der Weltwirtschaft - Romano Prodi über den Euro

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Ein Meilenstein der Weltwirtschaft - Romano Prodi über den Euro

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Simona Volta, euronews: “Am ersten Januar haben wir einen wichtigen Jahrestag gefeiert. Vor genau zehn Jahren wurde der Euro eingeführt, die neue Währung von elf europäischen Staaten. Um an diesen Tag zu erinnern, sind wir mit Rom verbunden und sprechen mit Romano Prodi. Prodi war 2002 Präsident der Europäischen Kommission.

Willkommen Romano Prodi, was ist Ihre lebhafteste Erinnerung im Zusammenhang mit den Emotionen jener Tage?

R.P.: “Ich erinnere mich an viele politische Ereignisse, aber wirklich emotional ist nur eine Erinnerung: In Wien kauften der österreichische Kanzler und ich um Schlag Mitternacht erstmals mit dem Euro ein. Der erste offizielle Einkauf. Wir kauften unseren Ehefrauen Blumen. Alle waren auf der Straße, und es herrschte freudige Stimmung in Wien. Es ist die Erinnerung an ein großes Ereignis, das wir im Kleinen erlebten. Die persönliche Gefühlslage verbindet sich mit dem Bewusstsein um die ungeheure Bedeutung des Ereignisses. Denn die Einführung einer neuen Währung bedeutet immer auch eine Veränderung der Staatsstruktur “.

euronews: Was trieb Sie alle damals an. Was gab Ihnen die Überzeugung, dass eine gemeinsame europäische Währung nötig sei?

R.P.: “Dasselbe, was mich auch heute überzeugt. ich habe meine Meinung nicht geändert. Wenn wir ein neues Europa aufbauen wollen, müssen wir gemeinsam die Säulen eines modernen Staates errichten. Und diese sind: die Armee und die Währung. Mit Armee meine ich die Außenpoltik, verteidigung und Sicherheit. Mit der Währung ein wirtschaftliches Symbol. Natürlich könnte man mit dem einen oder dem anderen beginnen, aber wir hatten diese Möglichkeit, da die wirtschaftliche Seite sich schneller entwickelte. Deswegen trieben wir die Sache mit aller Kraft voran. Denn ohne eine vereinte Wirtschaft und eine gemeinsame Währung können wir die Zukunft nicht anpacken”.

euronews: “Zehn Jahre nach seiner Einführung macht der Euro schwere Zeiten durch. Sehen sie eine Zukunft für die Gemeinschaftswährung und wenn ja welche?”

R.P.: “Dass es Schwierigkeiten geben würde, war absehbar. Als wir den Euro schufen, war mein Einwand als Ökonom und ich sprach mit Kohl darüber: Wie können wir eine gemeinsame Währung machen, ohne gemeinsame finanzielle, wirtschaftliche und politische Säulen zu errichten? Und die weise Antwort darauf war: Jetzt haben wir diesen gewaltigen Sprung nach vorn gewagt, der Rest kommt danach. Stattdessen kam ersteinmal das Europa der Ängste: Angst vor China, Angst vor Einwanderung, Angst vor der Globalisierung. Dass die Krise kommen würde war klar. Aber der Euro ist so wichtig und so praktisch für alle, vor allem Deutschland, dass der Euro nicht nur überleben , sondern ein Meilenstein der Weltwirtschaft werden wird.”

euronews: “Herr Prodi, vielen Dank für das Gespräch.”