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Republikanische Vorwahl in Iowa: Alles ist möglich

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Republikanische Vorwahl in Iowa: Alles ist möglich

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Willkommen zur ersten Abstimmung im amerikanischen Präsidenten-Wahljahr 2012.

Traditionsgemäß beginnen die Republikaner im Bundesstaat Iowa mit der Auswahl der Bewerber für die Chance, den demokratischen Präsidenten Obama herauszufordern. Das geschieht in zwei verschiedenen Formen. Beim “caucus” treffen sich ähnlich einem deutschen Wahlparteitag eingetragene Parteimitglieder. Und bei den “primaries” können in einem Wahllokal oft alle Bürger abstimmen.

Mitt Romney trat schon 2008 an und kam auf den zweiten Platz. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts greift vor allem die Wirtschaftspolitik von Obama an, legt dem Präsidenten die Negativfolgen für die Bürger zur Last. Sein wichtigstes Argument: “Das Durchschnittseinkommen in Amerika sank in den letzten vier Jahren um 10 Prozent.” Da könne man nur noch von Fehlern des Präsidenten sprechen, Fehlern in Bezug auf die Wirtschaft, auf Hilfe für die Mittelklasse. Und das, weil der Präsident auf Europa schaue statt auf Amerika.

Ron Paul, Kongressabgeordneter aus Texas, vertritt die Linie “weniger Staat”. Dabei argumentiert er mit der nach seiner Meinung ungerechten Verteilung staatlicher Mittel, benennt Gewinner und Verlierer der aktuellen Politik. Wall-Street-Bankern wurde geholfen – und das Volk zahle die Schulden. Das müsse sich ändern!

Auf die in den USA sehr einflußreichen religiösen Eiferer setzt Rick Santorum. Der ehemalige Senator aus Pennsylvania hat eine ganz einfache Botschaft:

“Wir haben den besseren Plan – bezogen auf Moral, Kultur, Wirtschaft, Finanzen und nationale Sicherheit. Darum werden wir Barack Obama herausfordern und die Wahlen gewinnen.”

Auch der ehemalige Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Newt Gingrich, will es noch einmal wissen. Sein Handicap dabei: Er beriet einst “Fannie Mae”, einen der Immobilien-Giganten, durch dessen fragwürdige Praktiken so viele Amerikaner Haus und Erspartes verloren.

Michelle Bachmann ist die einzige Frau in dieser Runde. Im Repräsentantenhaus gilt sie als die Anführerin der “Tea-Party”-Bewegung. Diese rechts-populistische Bewegung war 2009 als Reaktion auf díe Bankenrettung mit Steuergeldern entstanden.

Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, hat die Wähler in Iowa aufgerufen, sich nicht auf einen einzigen Bewerber festzulegen. Für ihn ist das die einzige Chance, noch im Rennen zu bleiben.

Zu den republikanischen Vorwahlen im US-Staat Iowa sprach Euronews-Reporter Tokunbo Salako mit dem ABC-Korrespondenten Aaron Katersky, der vorort in Iowa ist.

Tokunbo Salako: “Aaron, wer liegt denn im Moment in Iowa vorne? Und wie entscheidend wird diese Vorwahl in Iowa für die Nominierung eines republikanischen Präsidentschaftskandidaten im Endeffekt sein?”

Aaron Katersy: “Sieben verschiedene Kandidaten waren nun schon in den Umfragen vorne. In manchen Wahlbezirken in Iowa wird ein Name auf ein Stück Papier geschrieben und in einen Hut geworfen. Aber egal, wie abgestimmt wird, die Amerikaner bekommen durch Iowa auf alle Fälle einen Eindruck, wer vorne liegt und wer bis zur endgültigung Nominierung eines republikanischen Kandidaten noch weiter Stimmen gewinnen kann.”

Tokunbo Salako: “Wir werden also Ihrer Meinung nach sehen, wer die Nase vorn hat. So wichtige Kandidaten wie Mitt Romney oder Ron Paul haben ja Iowa relativ links liegen gelassen.”

Aaron Katersky: “Sie haben sich keine großen Chancen in Iowa ausgerechnet. Mitt Romney hat seine Wurzeln in Neu-England. Er war Gouverneur von Massachusetts, das liegt neben New Hampshire – dort ist sich Romney seines Sieges relativ sicher.

Auf Iowa zählte er zunächst nicht. Aber dann sah er, wie seine Konkurrenten sich in der Beliebtheit in Iowa nicht halten konnten, und plötzlich begriff er, dass er in Iowa gewinnen könnte.

In der Geschichte der USA ist es nie vorgenommen, dass ein Kandidat, der in den Bundesstaaten Iowa und später in New-Hampshire gewonnen hat, NICHT Präsidentschaftskandidat der Partei geworden ist.

Für Mitt Romney heisst das, wenn er jetzt in Iowa gewinnt, hat er gute Chancen, dass er der Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird.”

Tokunbo Salako: “Und wenn nicht – haut ihn das aus dem Rennen?”

Aaron Katersky: “Kaum. Man muss in Iowa nicht unbedingt gewinnen. Unter den ersten Drei zu sein, reicht. In der Geschichte der USA ist nie ein Bewerber ab Platz 4 in Iowa Präsidentschaftskandidat der Republikaner geworden. Wenn die Geschichte also ein Indikator ist, heisst das, in Iowa muss es Gold, Silber oder Bronze sein.

Aber seit vierzig Jahren hat es nicht mehr so viele republikanische Bewerber gegeben wie dieses Jahr – daher ist alles möglich.”

Tokunbo Salako: “Auf wen tippen Sie persönlich?”

Aaron Katersky: “Da sage ich jetzt nichts dazu. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie diese Vorwahl in Iowa ausgehen könnte: Mitt Romney und Ron Paul liegen Kopf and Kopf vorne, und Rick Santorum, ein Liebling unter den Erzkonservativen, ist überraschend auf Platz 3. Es könnte sogar sein, dass er sich hier in Iowa ganz nach vorne pusht. Ob ihm das dann auf das ganze Land bezogen weiter hilft, ist fraglich.

Keiner der republikanischen Bewerber hat gesagt, dass er bei einem schlechten Ergebnis in Iowa das Handtuch wirft. Es könnten uns also noch Wochen und Monate republikanischer Wahlkampf bevor stehen.”