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Affäre Wulff: Das Schweigen der Kanzlerin

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Affäre Wulff: Das Schweigen der Kanzlerin

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SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil hat Kanzlerin Angela Merkel aufgefordert, sich zu den Vorwürfen gegen den Bundespräsidenten zu äußern. Merkel müsse erklären, ob Christian Wulff ihren Ansprüchen an das Amt des Bundespräsidenten noch gerecht wird, sagte Heil der Zeitung “Die Welt”. Die neuen Vorwürfe gegen Christian Wulff hätten eine größere Dimension als bisher. Heil nannte es unerträglich, dass der Bundespräsident Journalisten unter Druck setze und die Pressefreiheit verletze.

Die Kanzlerin hatte zuletzt am 19. Dezember am Rande einer Kosovo-Reise gemeint, Wulff werde alles schon richten. Er leiste gute Arbeit. Seither schweigt die Chefin im Bundeskanzleramt.

Die Mehrheit der Deutschen wartet darauf, dass Bundespräsident Christian Wulff wegen der Mailboxaffäre zurücktritt.

Wulff hatte mit wütenden Anrufen bei Journalisten verhindern wollen, dass sie über die umstrittene Finanzierung seines Privathauses berichteten.

Wulff drohte unter anderen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in einer langen Nachricht auf dessen Handy-Mailbox mit dem “endgültigen Bruch” mit Axel-Springer-Verlag. Auch Mehrheitsaktionärin Friede Springer soll von Wulff bedrängt worden sein, Einfluss zu seinen Gunsten zu nehmen.

Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung meint:

“Das ist ein weiterer Schritt in der schleichenden, vielleicht schon fast galoppierenden Aushöhlung dieses Amtes.”

Bei Wulffs Vorstellung im Sommer 2010 hatte Merkel erklärt, sie glaube, dass die Menschen im Land mit ihm einen “wunderbaren künftigen Bundespräsidenten” bekommen werden. Statt lobender Worte schweigt die Kanzlerin nun unter den gegebenen Umständen lieber. Doch der Druck auf sie wächst, – auch innerhalb ihrer eigenen Partei.