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"Caucus" in Iowa - nie war der Ausgang so knapp

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"Caucus" in Iowa - nie war der Ausgang so knapp

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Nie mehr kommen Wähler ihren Kandidaten so nah wie beim “Caucus” von Iowa. Denn Caucus heisst, erst wird über die Bewerber diskutiert und dann abgestimmt, hautnah, vor den Augen der Nachbarn, nicht anonym an einer Wahlkabine.

Ganze 8 Stimmen entschieden bei diesem Verfahren über den 1. Platz für Mitt Romeny.

Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts gewann mit dem knappetsten Vorsprung alleer Zeiten. Romney ist Mormone, für religiöse Fundamentalisten sieht das nicht ganz so zuverlässig aus. Für ihn spricht in den Augen vieler Wähler seine Wirtschafts- und Finanzerfahrung.

Und er hat das Geld für einen langen, teuren Wahlkampf. Romney verspricht vor allem, die öffentlichen Ausgaben zu kürzen und für eine Deckelung beim Haushalt zu sorgen. Weiter Jahr um Jahr soviel auszugeben verletzte die moralischen Pflichten für die Zukunft der Kinder.

Dan Dickman, der Romney unterstützt, betont zuerst, man brauche neue Jobs. 7 Millionen Jobs seinen schließlich verloren gegangen. Daher will er einen Kandidaten, der den privaten Sektor besser versteht als die gegenwärtige Regierung.

Die eigentliche Überraschung ist das gute Abschneiden von Rick Santorum. Der erzkonservative Katholik könnte eventuell zum neuen Hoffnungsträger der religiös geprägten, populistischen Tea-Party-Bewegung werden. Er sprach viel über Familie, über seine Abneigung gegenüber Homosexualität, über den Schutz ungeborenen Lebens und das Recht jedes Amerikaners, eine Waffe zu besitzen.

Das alles immer mit Gottesbezug.

Damit hatte er zumindest in Iowa Erfolg.

Die Wählerin Joyce Larson sieht in ihm nicht nur den echt konservativen Abtreibungsgegner, sie hat auch wegen seiner politischen Erfahrung für den EX-Senator aus Pennsylvania gestimmt, weil er etwas von Außenpolitik verstehe und sich klar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt ausspricht.

Die Philosophie des Drittplazierten, des Kongreßabgeordneten Ron Paul, lässt sich am einfachsten mit der Losung “weniger Staat” zusammenfassen. Seine Anhänger findet der 76-jährige bei Wählern wie Kim Moyle, die sich als “unabhängig, konservativ, aber in sozialen Fragen liberal” bezeichnet. Sie sagt, sie habe es schwer, jemanden zu finden, der in ihre Nische passt, also habe sie sich auch mit Blick auf die Umfragewerte für Paul entschieden.

In der nächsten Woche zieht die Vorwahlkarawane weiter an die Ostküste, nach New Hampshire, wo die Wählerstruktur eine ganz andere ist.

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Wir wollen das Ergebnis von Iowa nun analysieren mit Jeffry Frieden, Politikwissenschaftler an der Harvard-Universität. Was sagen Sie zu Romneys Stärke? Falls er auch nächste Woche in New Hampshire gewinnt, ist das dann der definitve Sieg des Establishments über die Tea-Party-Bewegung?

Jeffry Frieden

Ich denke, wir werden gerade Zeugen dieser Entwicklung. Sicher, Romneys gutes Abschneiden in Iowa war eine sehr gute Nachricht für ihn. In diesem Bundesstaat ist die Republikanische Partei konservativer als im Lande insgesamt. Und dass Romney dort in der Lage war zu gewinnen, wenn auch nur mit acht Stimmen Vorsprung, das ist für ihn positiv. Er ist in der Lage, auch konservativere Wähler zu mobilisieren.

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Andererseits scheint Romney in seiner Partei keine große Begeisterung auszulösen. In Umfragen bleibt er im 25-Prozent-Ghetto. Wird er am Ende Kandidat in Ermangelung eines Besseren?

Jeffry Frieden

Ja, absolut. Und damit hat die Republikanische Partei ein Problem. Romney wird sehr wahrscheinlich nominiert, aber Begeisterung bei konservativeren Parteimitgliedern kann er nicht erzeugen. Die meisten Aktivisten kommen aber vom rechten Flügel. Und weil Sie sich nicht für Romney erwärmen können, werden sie sich auch nicht groß für ihn einsetzen. Das ist das Problem der Republikaner. Die konservativeren Kandidaten haben wahrscheinlich keine Chance, gegen Obama zu gewinnen. Aber Romney, der eher moderate Kandidat, kann die Parteiaktivisten nicht begeistern. Mit diesem Problem muss die Partei jetzt klarkommen.

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Keiner seiner konservativen Rivalen hat in Iowa aggressive TV-Spots gegen ihn geschaltet. Warum nicht?

Jeffry Frieden

Ich denke, solche Art von Negativwerbung kann als Bumerang zurückkommen. Vor allem, wenn der solcherart Angegriffene am Ende doch der Kandidat wird. Das kann sich zudem bei der Wahl im November auch gegen die Partei wenden. Außerdem könnte es sein, dass die konservativeren Bewerber auf den Posten des Vizepräsidenten unter Romney spekulieren. Sie wollen vielleicht vermeiden, ihn zuviel zu verärgern mit Blick auf ein eventuelles Rennen um diesen Posten.

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Bei den Republikanern heisst es, 2012 sei die schicksalhafteste Wahl seit Jahrzehnten. Die Nation sei in Gefahr. Aber warum bezeichnen dann soviel Kommentatoren die republikanische Bewerberriege immer wieder als “enttäuschend”?

Jeffry Frieden

Enttäuschend in zweierlei Hinsicht. Erstens, weil die Partei so gespalten ist. Aus der Sicht der Republikaner hätte man lieber mehr Geschlossenheit. Statt dessen hat man Kandidaten vom äußersten rechten Flügel, Leute wie Bachmann und Santorum, die sich natürlich nicht für Romney begeistern. Und es gibt Ron Paul, der eine Menge Unterstützung von jungen Leuten hat und von Wählern am rechten Rand. Das Bewerberfeld und die Partei erscheinen tief gespalten, was für die Republikaner zum Problem wird. Ein zweites Problem ist der Eindruck, dass die angetretenen Kandidaten eben nicht von höchster Qualität sind. Ich denke, das liegt daran, dass gerade in diesen Tagen Obama relativ gute Chancen auf eine Wiederwahl hat. Die besten Kandidaten treten üblicherweise nicht an, wenn sie ihre eigenen Chancen als zu gering ansehen.