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US-Journalistin Cockie Roberts:" Das Land ist gespalten."

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US-Journalistin Cockie Roberts:" Das Land ist gespalten."

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euronews:

Wie sprechen mit der US-Journalistin Cokie Roberts, die große Erfahrung hat im Umgang mit solcher Auswahl von Kandidaten. Es sieht von weither zuweilen eher nach Spaß-Party aus, wie die Amerikaner da nach ihrem künftigen präsidenten suchen. Tun sie das wirklich mit dem nötigen Ernst?

Cockie Roberts:

Doch, die Amerikaner nehmen es sehr ernst, auch wenn die Form für Europäer befremdlich sein mag. Die Form spielt aber eine Rolle dabei, z.B. wenn die Kandidaten zusammen auf der Bühne stehen oder am Wochenende in zwei Debatten. Und da ist ein Witz zuweilen wirksamer als lange Rhetorik mit grimmigem Gesicht. So zeigt man, der andere habe nicht das Zeug zum Präsidenten.

euronews:

Hat man bei der Art der Vorwahlen in den USA das Gefühl, einige Staaten wiegen schwerer als andere?

Ist es fair, das so zu sagen?

Cokie Roberts:

Eine Menge Leute denken, dass keiner dieser ach so kleinen Staaten so einen Einfluß haben sollte.

Sie sind nicht repräsentative für das Land als Ganzes. Aber ein Vorteil besteht darin, dass die Kandidaten hier direkt mit den Wählern in Kontakt kommen. Das ist schon wichtig. In Iowa läuft das weniger demokratisch. Da wird eine bestimmte Zeit angesetzt, ein paar Stunden an einem bestimmten Abend. Wenn dann arbeiten muss, kann nicht mitmachen. In New Hampshire geht es eher wie bei einer Wahl zu. Ich denke, das hat mehr Einfluss.

Es erlaubt auch unabhängigen Wählern teilzunehmen, egal ob sie Demokraten oder Republikaner sind. Das gibt dann schon Hinweise auf die entscheidende Wahl im Herbst.

euronews:

Was bedeutet es, wenn sich die republikanischen Kandidaten so gegenseitig fertigmachen?

Ist der Demokrat dann der lachende Dritte?

Cockie Roberts:

Die Demokraten geniessen diese Vorwahlen der Republikaner. Aber wichtig ist am Ende nicht, was ein Konkurrent über einen anderen sagt, wichtig ist am Ende immer die eigene Aussage. Die zeigt, was einer drauf hat. Demontieren tun sich kandidaten zumeist selbst. Sie geben jetzt so demonstrativ konservative Erklärungen ab, um die sehr konservativen Wähler zur Stimmabgabe zu locken. Damit verprellen sie zuweilen für die Wahl im Herbst eher liberal denkende Wähler. Das bereitet den Demokraten die größte Freude: Wenn sich die Rivalen letztlich selbst im Wege stehen.

euronews:

Einer nennt Obama einen Verlierer, ein anderer beschwört katholische Traditionen, der nächste will die USA aus der UNO heraus haben. Wie stark polarisieren sie damit die öffentliche Meinung?

Spalten sie damit das Land?

Cokie Roberts:

Ja, das Land ist im Moment sehr gespalten.

Da wird viel mehr polarisiert als in früheren Zeiten.

Man hat diverse Fernsehprogramme und Internetauftritte mit dem Effekt, dass Leute eher noch an den linken Rand der Demokraten gedrängt werden oder an den rechten Rand der Republikaner.

Wir leben in einer stark polarisierenden Zeit.

Darum sind die Wähler aus der Mitte so wichtig für die Entscheidung im November. Die Leute, die weder Demokraten noch Republikaner sind.

Es ist durchaus denkbar, dass die Worte der Republikaner jetzt die Entscheidung dieser unabhängigen Wähler für den Herbst beeinflussen.

euronews:

Soe wie viele sagen werden:” Möge der Beste gewinnen.” Vielen Dank an die Journalistin Cockie Roberts.

Cokie Roberts:

Lovely to be with you. Thank you.