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Nach der Vorwahl von New Hampshire

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Nach der Vorwahl von New Hampshire

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Gesiegt hat Mitt Romney deutlich klarer als in Iowa mit 39 % der Stimmen. Rick Santorum, vor einer Woche nur 8 Stimmen hinter Romney, ist mit spärlichen 9 % aus dem Rennen Voller Selbstbewusstsein verkündet Mitt Romney:

“heute Nacht haben wir Geschichte gemacht.”

Nach dem zweiten Vorwahlsieg sieht sich Romney bereits als Herausforderer von Barack Obama, den er als “gescheiterten Präsidenten” bezeichnet.

Laut Umfragen hat der ehemalige Gouverneur von Massachussetts gute Chancen, auch am 21. Januar in South Carolina und am 31. in Florida als Sieger durchs Ziel zu gehen.

Auf den zweiten Platz kam diesmal Ron Paul, der Dritte von Iowa. Der mit 76 Jahren älteste der Bewerber wirbt vor allem mit der Losung “weniger Staat” um Wählerstimmen. Er will die USA aus den Vereinten Nationen raushaben, fordert auchden sofortigen Abzug aller US-Truppen aus anderen Ländern, denn die USA könnten es sich nicht länger leisten, Weltpolizist zu sein

Als neues Gesicht in der Spitzengruppe ist Jon Huntsman aufgetaucht. Der langjährige Botschafter der USA in Peking und Ex-Gouverneur von Utah umwirbt etwa die gleichen Wählergruppen wie Romney und gehört wie jener zum republikanischen Establishment. Sein gutes Abschneiden in New Hampshire versteht er als Aufforderung weiter zu machen

Der klar führende Bewerber aber ist Mitt Romney ,

auch weil er die finanziellen Mittel hat, um einen langen, teuren Wahlkampf durchzustehen.

Er betont, bei der Präsidentenwahl im November gehe es “ um die Seele Amerikas.”

“Uneinigkeit der Republikaner hilft Romney”

Jon Davies, Euronews: “Ich spreche nun mit Jeffrey Frieden in Genoa, er ist Politikwissenschaftler an der Harvard Universität in Boston.

Was schließen Sie aus den Ergebnissen in New Hampshire?”

Jeffrey Frieden, Professor für Politikwissenschaften:

“Sie sind in etwa so, wie wir es erwartet haben. Mitt Romnney hat sich gut geschlagen. Er wurde Erster, bekam fast 40 Prozent der Stimmen. Er kam damit nah an das bestmögliche Ergebnis heran, mit dem er in New Hampshire hätte rechnen können. In dem Bundesstaat hatte er schon immer viele Anhänger.

Als die Vorwahlen begannen, lautete die wichtigste Frage: Wer wird Zweiter? Und da stellte sich dann für viele die Frage: Kann Jon Huntsman Ron Paul von Platz zwei verdrängen?

Huntsman hat sich kaum auf Iowa vorbereitet, wie Sie vielleicht wissen, und hat alle seine Anstrengungen in New Hampshire gesteckt. Ein Staat, der eher zu seinen moderaten republikanischen Ansichten passt.

Huntsman hat mit mehr als 16 Prozent ein vernünftiges Ergebnis erzielt. Aber er kam nicht auf die zweite Position, er kam noch nicht mal nah an Ron Paul heran. Das wirft die ernste Frage auf, ob Huntsmans Kandidatur überlebensfähig ist.”

Jon Davies, Euronews: “Kommen wir auf South Carolina zu sprechen: Während Mitt Romney in New Hampshire gut abgeschnitten hat, gibt es in South Carolina eine höhere Arbeitslosenrate, die über dem amerikanischen Durchschnitt liegt. Mitt Romney ist ein bekannter Milliardär, der sein Geld damit gemacht hat, Unternehmen aufzukaufen und sie dann zu zerschlagen. Viele von denen sind in South Carolina. Wie wird es ihm dort ergehen?”

Jeffrey Frieden, Politikwissenschaftler: “South Carolina ist für Romney ein anderes Umfeld. Der Staat ist sehr konservativ. 70 Prozent der republikanischen Wähler sind Schätzungen zu Folge evangelikale Christen.

Fraglich ist, ob die evangelikalen Christen stört, dass Romney Mormone ist. Wie auch die wirtschaftlichen Probleme, die Sie angesprochen haben. South Carolina hat eine hohe Arbeitslosenrate und es gibt Ressentiments gegen die Art Finanzier, die Romney für einige darstellt.

Romney ist auch nicht so konservativ wie der durchschnittliche republikanische Wähler in South Carolina. In South Carolina muss er mit mehr Gegenwind rechnen. Ein echter Test für seine Fähigkeit, auch Stimmen von den Konservativeren zu bekommen und erst recht vom sozialkonservativen Flügel der Republikanischen Partei.

Schneidet Romney gut in South Carolina ab, dann wird er meiner Meinung nach auch nominiert. Schneidet er aber sehr schlecht ab – gar als Zweiter oder Dritter, dann ist das Rennen weiter offen.”

Jon Davies, Euronews: “Ganz kurz: Es gibt bisher keine Anzeichen, dass einer der Kandidaten ausscheidet. Das scheint die Konservativen zu spalten und wiederum Mitt Romney in die Hände zu spielen.”

Jeffrey Frieden, Euronews: “Ganz klar. Die Republikaner sind gespalten. Und die Konservativen bei den Republikanern haben es bisher nicht geschafft, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Das liegt größtenteils daran, dass kein Kandidat ohne Makel ist.

Newt Gingrich hat wahrscheinlich die größte politische Erfahrung, hat aber auch viele Gegner in den eigenen Reihen. Wie auch Rick Perry, Santorum, Bachman – die schon ausgeschieden ist.

Andere haben die Unterstützung des konservativen Flügels, aber alle haben sie auch gravierende Schwächen.

Meiner Meinung nach hilft Romney, dass er drei oder vier konservative Rivalen hat, von denen es keiner schafft, alle Konservativen um sich herum zu vereinen.”