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Neuer Bericht zu Ruanda 1994: Putsch der Hutu-Militärs - nicht Mordanschlag der Tutsi-Rebellen

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Neuer Bericht zu Ruanda 1994: Putsch der Hutu-Militärs - nicht Mordanschlag der Tutsi-Rebellen

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Wer hat dieses Flugzeug abgeschossen?

Wer tötete dabei am 6. April 1994 den Präsidenten von Ruanda? Juvenal Habyarimana, der dem Volk der Hutu angehörte, hatte eben eine Politik der Versöhnung mit den Rebellen vom Volk der Tutsi beginnen wollen. Sie waren in einem ersten französischen Gutachten vor Jahren als die Täter bezeichnet worden.

Der angeblich Tutsi-Anschlag auf das Leben des Hutu-Präsidenten wurde zum Auslöser für den schlimmsten Völkermord nach dem II.Weltkrieg.

Nach UN-Angaben wurden 1994 rund 800.000 Menschen ermordet. Und das unter den Augen französischer Truppen. Die ehemalige Kolonialmacht muss sich vorwerfen lassen, als Friedenstruppe vor Ort komplett versagt zu haben.

16 Jahre nach dem ersten Gutachten hat der französische Ermittlungsrichter Marc Trévidic noch einmal bei Null angefangen und durch ballistische Berechnungen herausgefunden, die Boden-Luft-Rakete muss aus dem Lager der Regierungstruppen abgefeuert worden sein. Dazu erklärt der Anwalt des heutigen ruandischen Präsidenten Kagame, der damals zu den des Präsidentenmordes beschuldigten Rebellen gehörte: “Die Expertise bestätigt die Annahme, dass die Rakete aus dem Militärlager Kanombe abgeschossen wurde, wo Regierungstruppen stationiert waren.”

Also Putsch der eigenen Leute, denen wohl seine Versöhnungsabsichten mit den Tutsi mißfielen.

Für die Witwe des damals getöteten Hutu-Präsidenten eine unangenehme Wendung, weshalb sie ihren Anwalt sagen lässt, man habe einen Bericht von 200 Seiten in der Fachsprache der Experten und müsse den erst im Detail prüfen.

Dieses neue französische Expertengutachten deckt sich mit jenem, dass eine ruandische Kommission vor zwei Jahren erstellt hatte. Sie wies bereits auf die damalige Präsidentenabsicht hin, die Tutsi an der Macht zu beteiligen. Der ruandische Ermittlungsleiter Jean Mutsinzi sagt:” Das Flugzeug wurde im Landeanflug mit einer Rakete abgeschossen, die aus dem Militärlager von Kanombe kam – und dort hielten sich nur Regierungstruppen auf.”

Der französische Anti-Terrorismus-Ermittler Jean-Louis Bruguière hatte 2006 die Tutsi-Rebellen als Täter angesehen und Haftbefehle für mehrere enge Mitarbeiter des damaligen Rebellenführers und heutigen Präsidenten Kagame ausgestellt. Was die Beziehungen Ruandas zu Frankreich arg belastete. Den neuen Annäherungsversuchen dürfte dieses neue Gutachten französischer Experten Auftrieb verleihen.