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Ein Jahr Revolution in Tunesien: Nun regiert der Frust

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Ein Jahr Revolution in Tunesien: Nun regiert der Frust

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Knapp ein Jahr ist es her, dass Zine el Abidine Ben Ali als erster Alleinherrscher Nordafrikas abgetreten ist. Doch den meisten in Tunesien ist nicht nach feiern zumute. Die ausländischen Investitionen sind eingebrochen, Touristen bleiben aus Angst weg.

Sechs Selbstverbrennungen erschüttern das Land – meist Menschen, die keine Arbeit finden. Im Dezember 2010 hatte sich der junge Straßenhändler Mohamed Bouazizi aus Protest gegen Behördenwillkür verbrannt und damit die landesweiten Massenproteste und Unruhen ausgelöst.

Ein paar Meinungen aus Tunis – eine Frau sagt:

“Für mich hat sich nichts geändert. Das dauert alles ewig. Die Politik, ich meine da vor allem die Partei “Ennahda”, die hat immer noch nichts gemacht. Wir verstehen ja, dass das alles Zeit braucht. Aber die müssen einfach mal Gas geben.”

Ein Mann meint:

“Im Jahr seit der Revolution hat sich in Tunesien nichts getan. Vorher konnte man sich wenigstens auf die Sicherheit verlassen. Jederzeit rausgehen, ohne etwas zu riskieren. Und mindestens 800 000 sind jetzt arbeitslos. Nichts hat sich in Tunesien verändert.”

Ein anderer mahnt zu Geduld:

“Dies ist erst der Anfang. Jetzt erst werden die Ziele der Revolution verwirklicht. Die jungen Menschen müssen bei der Jobsuche geduldig sein. Keine Regierung kann für jeden von heut auf morgen Arbeit schaffen.”

Jamel Ezzedini, euronews:

“Auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich hier in Tunis gesehen, wie ein junger Mann schwer verletzt wurde. Ein Jahr nach der ersten Revolution des arabischen Frühlings habe sich nichts getan, sagen viele Tunesier. Viele haben weder Jobs noch Sicherheit, keiner ihrer Träume wurde wahr. Im Gegenteil, überall nistet sich Enttäuschung ein. Die Ziele der Revolution sind für sie wie Schall und Rauch.

mit AFP, dpa