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Ist Russisch auch lettisch - das ist hier die Frage

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Ist Russisch auch lettisch - das ist hier die Frage

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Im EU-Staat Lettland ist etwa jeder sechste Bewohner ein “Nichtbürger”, aus Familien, die zu Sowjetzeiten gezielt angesiedelt wurden.

Symbolträchtige Streitfrage: Soll Russisch die zweite Staatssprache werden? Ein Referendum soll im Februar darüber entscheiden.

Initiert wurde die angepeilte Verfassungsänderung von der Bürgerbewegung “Muttersprache”. “Es geht nicht nur um Sprache, sondern auch um Ehre”, so Organisator Wladimir Linderman. Einer Verfassungsänderung muss mindestens die Hälfte der etwa 1,5 Millionen Stimmbürger zustimmen.

Viele lettischen Letten sträuben sich, sammeln Unterschriften – gegen das Referendum.

Das Parlament in Riga hat die Gesetzesvorlage nahezu einstimmig abgelehnt.

Raivis Dzintars, Parteichef der

nationalkonserativen “Nationalen Vereinigung”:

“Ganz einfach – wir meinen, dass die lettische Verfassung und die Unabhängigkeit Lettlands auf Grundprinzipien beruhen – eines davon ist die lettische Sprache als einzige Amtssprache. Zum Beispiel wäre ja auch eine Unterschriftensammlung verfassungswidrig, mit dem Ziel, die Unabhängigkeit Lettlands aufzugeben.”

Zwischen 1940 und 1990 waren Menschen aus anderen Teilen der Sowjetunion in Lettland angesiedelt worden, die Letten gerieten in manchen Gegenden nahezu in die Minderheit. Rund ein Drittel der Bevölkerung hat heute russische Wurzeln, in der Hauptstadt Riga ist es sogar fast jeder Zweite.

Seit der Unabhängigkeit 1991 ist das bis dahin vernachlässigte Lettisch alleinige Staatssprache.

Wer seither lettischer Staatsbürger werden will, muss eine Sprachprüfung bestehen. Die Mehrheit der lettischen Politiker ist strikt dagegen, der russischsprachigen Bevölkerung automatisch die Staatsbürgerschaft zu gewähren.

Besonders die rund 320 000 Nichtbürger fühlen sich als Menschen zweiter Klasse, zwar mit Aufenthaltsrecht, aber viele andere Rechte sind für sie tabu. Ein Job beim Staat zum Beispiel und das Wahlrecht – auch bei “Ihrem” Referendum.

mit Reuters, AFP, dpa