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Mehrdad Emadi: "Teheran wird den höheren Preis bezahlen"

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Mehrdad Emadi: "Teheran wird den höheren Preis bezahlen"

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Der Iran bleibt für Europa ein wichtiges Thema. Euronews hat mit dem EU-Wirtschaftsberater Mehrdad Emadi über die Sanktionen gegen den Iran gesprochen.

euronews:

Mr. Emadi, die Schuldenkrise ist derzeit eine der größten Herausforderungen für Europa. Wie kann es sich die EU in dieser Situation leisten, solche Sanktionen zu verhängen?

Mehrdad Emadi:

Grundsätzlich hat die EU natürlich die nötigen Befugnisse und Möglichkeiten, allerdings trifft das wohl nicht auf jene Länder zu, die sich im vergangenen Jahr nur mit der Finanzkrise und der Schuldenproblematik beschäftigt haben. Für jene Länder, die langfristige und enge energiepolitische Beziehungen zum Iran haben, wird es schwierig, den Iran mit einem anderen Öllieferanten zu ersetzen. Denn der Iran bietet diesen Staaten flexible Zahlungsmodalitäten und Preise, und da wird es unter den gegebenen Umständen sehr schwierig, einen Ersatz zu finden.

euronews:

Wie unterschieden sich die neuen Sanktionen von jenen, die bereits verhängt wurden? Kann der Iran möglicherweise ausweichen, indem nicht mehr in Dollar mit Öl handelt und neue Märkte erschließt? Und was wird passieren, wenn sich China den Sanktionen nicht anschließt?

Mehrdad Emadi:

Ich beginne mit Ihrer letzten Frage. Die Frage, ob China sich anschließt, ist entscheidend, wenn die Sanktionen eine Wirkung zeigen sollen, denn China kauft mehr als 22 Prozent des iranischen Rohöls; das ist ein Drittel der gesamten iranischen Ölexporte. Wenn China sich den Sanktionen anschließt, wird die iranische Ölindustrie praktisch lahmgelegt. Das bedeutet, dass der Iran im Außenhandel nichts mehr einnimmt. Aber wenn man sich die Lage des Iran im globalen Zusammenhang ansieht, muss man sagen, dass die Sanktionen bereits effektiver waren als Teheran ursprünglich erwatet hatte. Ich denke, man hatte nicht bedacht, dass die Hauptquelle der iranischen Einkünfte der Verkauf von Öl und Gas in die EU und nach Japan ist. Es wäre ein großer Einbruch, wenn die EU kein iranisches Öl mehr kaufte. Tatsächlich bezieht die EU 18,5 Prozent des iranischen Öls, aber 40 Prozent der Einkünfte des Landes stammen aus dem Ölhandel mit der Union.

euronews:

Der Westen sagt, dass die Sanktionen nur Druck auf das iranische Regime ausüben sollen, aber wir bekommen immer wieder Briefe und E-Mails, die zeigen, dass die Iraner das anders sehen. Sie glauben, dass mit den Sanktionen der Druck auf die Bevölkerung und vor allem auf die ärmeren Schichten wachsen wird und dass die Kluft zwischen Reich und Arm tiefer wird. Sehen Sie das auch so?

Mehrdad Emadi:

Die Sanktionen, die vor allem auf die iranische Zentralbank und den Ölhandel abzielen, haben in den letzten Wochen zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise im Iran geführt. Das ist auch das Ergebnis des Anstiegs der harten Währungen gegenüber dem iranischen Rial. Diese Auswirkungen, die wir in den letzten Wochen beobachten konnten, sind das Ergebnis der neuen Sanktionen, aber ich habe niemals irgendjemanden im Westen, auf welcher Ebene immer, sagen hören, dass die Bevölkerung unter Druck gesetzt werden soll.

euronews:

Wer wird also den höheren Preis für die Sanktionen bezahlen: Der Iran oder der Westen?

Mehrdad Emadi:

Zweifellos der Iran. Im besten Fall, wenn die Kosten in etwa 50 Prozent für jede Seite betragen, stehen auf der einen Seite 27 Partnerstaaten, die diese Kosten unter sich aufteilen, während auf der anderen Seite die ganze Last auf den Schultern eines Landes liegt. Allerdings werden die Nachteile dennoch nicht ganz gleichmäßig verteilt, denn die EU braucht Energie aus dem Iran und für fünf europäische Staaten ist der Iran ein wichtiger industrieller Markt. Europa war der Motor und die wichtigste Quelle der Industrialisierung des Iran in kritischen Zeiten. Vor diesem Hintergrund denke ich, dass der Iran den höheren Preis bezahlen wird.