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Youssou N'dour: "Ich bin die Alternative für den Senegal"

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Youssou N'dour: "Ich bin die Alternative für den Senegal"

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euronews: Guten Tag Youssou N’dour. Sie sind gerade in Dakar, in der Stadt also, wo Sie vor wenigen Tagen angekündigt haben, im Feburar bei der Präsidentschaftswahl im Senegal als Kandidat anzutreten. Meine erste Frage ist daher ganz einfach: Wie kommt es, dass Sie Ihre Kandidatur so kurzfristig, weniger als zwei Monate vor den Wahlen, bekanntgegeben haben, obwohl Sie noch vor wenigen Monaten sagten, Sie würden niemals antreten?

Youssou N’Dour: Seit Beginn meiner Karriere spreche ich mit den Führern dieses Landes. Ich habe sie mit Hilfe meiner Musik über die Lage im Land informiert, aber ich glaube, sie haben mir nie wirklich zugehört. Ich bin aber nun mal einer der politischen Akteure im Senegal. Ich weiß, dass die Demokratie hier immer stärker angegriffen wird und gefährdet ist. Ich glaube, dass ich aufgrund meiner eigenen Geschichte, aufgrund dessen, was um mich herum geschieht, die Alternative verkörpere.

euronews: Sind Sie sich eigentlich der Folgen ihrer Kandidatur wirklich bewusst?

Youssou N’Dour: Hören Sie, ich bin alles andere als ein Abenteurer, das ist ein langfristig angelegtes Projekt. Fordern Sie mal die Behörden, die diese Wahl organisieren, dazu auf, alles dafür zu tun, dass die Abstimmung nach allen Regeln der Kunst abläuft. Dann werde ich nämlich gewinnen. Daran habe ich keinen Zweifel. Die Senegalesen stehen hinter uns, wir wissen genau, was die Leute denken und was sie bei den Wahlen tun werden. Jetzt ist der Ball bei denen, die diese Wahl organisieren. Und das ist hauptsächlich Abdulaye Wade. Allerdings macht uns das, was wir da bisher gesehen haben, nicht wirklich Mut. Daher wollen wir, dass die internationale Gemeinschaft darüber wacht, dass die Wahlen auf eine perfekt demokratische Weise ablaufen.

euronews: Wie denken Sie über die Kandidatur von Abdulaye Wade, ihrem Hauptgegner und derzeit Präsident des Senegal?

Youssou N’Dour: Abdulaye Wade hat eigentlich gar nicht das Recht anzutreten. Unsere Verfassung verbietet ihm eine dritte Amtszeit. Sie verbietet sogar schon eine dritte Kandidatur an sich. Ich sehe ihn daher nicht als Kandidaten an. Aber er will die Sache jetzt eben erzwingen. Damit riskiert er aber nur eine Destabilisierung und Probleme für den ganzen Senegal. Ich denke, Vorbeugen ist besser als Heilen. Die Menschen im Senegal haben mehrfach demonstriert und gesagt, dass sie nicht wollen, dass Abdulaye Wade sich gewaltsam über die Verfassung hinwegsetzt.

euronews: Sie haben die traditionelle senegalesische Musik ins internationale Rampenlicht geführt. Möchten Sie jetzt auch, dass der Senegal, dass Dakar, in der internationalen Politik ganz vorne auf der Bühne steht, da also, wo er seit längerem nicht mehr wirklich zu finden ist?

Youssou N’Dour: Schon die Ankündigung meiner Kandidatur hat viel Aufmerksamkeit auf den Senegal gelenkt, und das ist eine gute Sache, denn wir wollen hier freie und demokratische Wahlen. Sollte ich die Wahlen im ersten Durchlauf gewinnen, dann wird der Senegal sofort wieder mit im Spiel sein. Ich denke, man wird mich sicher überall empfangen, um über Kooperationen und den neuen Senegal zu sprechen. Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern unsere Vision umsetzen. Diese Vision, die ich verkörpere, hat ihre Wurzeln direkt im senegalesischen Volk, in seinen wahren Bedürfnissen.

euronews: Viele afrikanische Politiker stehen mit Hilfe afrikanischer Regierungen vor dem Internationalen Strafgerichtshof, Laurent Gbagbo zum Beispiel. Wird das zu einer Verbesserung der Regierungssysteme in Afrika führen?

Youssou N’Dour: Der Internationale Strafgerichtshof spielt da sicher eine bedeutende Rolle. Aber es ist sehr schade, dass wir weder auf afrikanischer Ebene noch auf der der Afrikanischen Union solche Tribunale haben, solche Gerichte, die es uns erlauben würden, Prozesse gegen unsere Staatschefs oder jeden anderen Bürger zu führen.