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Tunesien: Der Hauch der Pressefreiheit

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Tunesien: Der Hauch der Pressefreiheit

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Mit Festlichkeiten und internationalen Gästen wird in Tunesien der erste Jahrestag der dortigen Revolution gefeiert. Der Umsturz hat auch die Fesseln, die den Medien unter Ex-Herrscher Ben Ali angelegt waren, gelockert – wenngleich noch nicht komplett abgestreift.

Oulfa Benhassine ist Chefredakteurin des Blattes La Presse: “Alle haben mit großer Begeisterung gearbeitet, weil wir auf einmal merkten, dass unsere Texte nicht mehr zensiert werden, dass keine Anweisungen mehr von oben kommen, zum Beispiel einen Journalisten wegen seiner Unabhängigkeit kaltzustellen oder bezahlte Artikel durchzuwinken.”

Die Chefs von La Presse, der ältesten Tageszeitung Tunesiens, wurden in freien Wahlen bestimmt – ein Zeichen der Journalisten gegen politische Einflussnahme.

Der Medienwissenschaftler Khémaïss Khayati meint: “Die Leser möchten jetzt etwas über ihre Anliegen in den tunesischen Medien lesen und sehen. Jeden Tag erleben wir neue positive Dinge, die die Revolution mit sich gebracht hat.”

Thameur Mekki, freier Journalist und Blogger: “Dieser große Freiheits-Elan in den Medien wird leider nicht von einer entsprechenden Professionalität, einer entsprechenden Unparteilichkeit und Objektivität begleitet. Die Medien sind immer noch vielen Einflüssen, auch politischen, ausgesetzt.”

euronews-Korrespondent Adel Dellal: “Die Revolution hatte auch Folgen für die Medien. Journalisten setzen sich vermehrt gegen Einflussnahme von außen zur Wehr. So kritisierten sie etwa jüngst den Schritt der Regierung, die Kontrolleure in Medienunternehmen einsetzen will. Darin sehen viele einen Angriff auf die Pressefreiheit. Die regierende Ennahda-Partei meint aber, eine solche Medienkontrolle sei innerhalb ihrer Befugnisse.”