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Schlechte Note für Euro-Rettungsfonds: Sind Ratingagenturen zu mächtig?

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Schlechte Note für Euro-Rettungsfonds: Sind Ratingagenturen zu mächtig?

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Nach neun Eurostaaten hat die Ratingagentur Standard & Poor’s auch dem EU-Rettungsfonds EFSF eine schlechtere Note verpasst. Statt mit AAA wird der Fonds jetzt nur noch mit AA+ bewertet, so S&P. Die Kapazität von 440 Milliarden Euro sei dadurch nicht in Gefahr, hieß es beim Fonds.

Mario Draghi hält im Gegenzug die Ratingagenturen für überbewertet:

“Vor allem Aufsichtsbehörden sollten lernen, ohne Ratings auszukommen. Oder zumindest sollten wir lernen, Kreditwürdigkeit zu prüfen… und zwar so, dass die Bewertung durch Rating-Agenturen nur eine von vielen Komponenten unserer Information sind”, so der Präsident der Europäischen Zentralbank.

Auch der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält für dringend notwendig, den Einfluss der Rating-Agenturen zu begrenzen – Ratings haben bei der Bonitätsbewertung von Banken sogar gesetzlich festgelegte Folgen.

2012 sollen die Beschlüsse des Euro-Rettungsgipfels vom 9. Dezember politische Wirklichkeit werden – etwa eine Art europäischer Schuldenbremse und eine Reformaufsicht der EU-Kommission bei Krisenstaaten.

Jetzt umso dringlicher, meint Mario Draghi:

“Jetzt ist es wichtig, dass die Verpflichtungen der Staats-und Regierungschefs unverzüglich und vollständig umgesetzt werden. Besonders, was Rettungsfonds EFSF und Rettungsschirm ESM angeht, aber nicht nur.”

Bislang ist geplant, dass der neue Euro-Rettungsschirm ESM bis Juli den EFSF ablöst. Mit der schlechteren Note könnte die Euro-Rettung nun teurer zu stehen kommen.

Der Rettungsfonds selbst hat kein eigenes Kapital. Alles, was er an Krisenländer überweist, muss er sich vorher selbst am Finanzmarkt leihen. Wieviel Zinsen dabei anfallen, hängt auch vom Rating ab. Experten rechnen mit rund 30 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr – die Einbußen bei der erschwerten Hebelwirkung allerdings noch nicht gerechnet.

mit AFP, Reuters