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Erstmals Zivilklage gegen Umweltverschmutzer in China

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Erstmals Zivilklage gegen Umweltverschmutzer in China

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Chrom-6 ist giftig und löst Krebs aus. In der Nähe dieses Industriegebietes am Rande der Stadt Qujing im Südwesten Chinas mussten das die Menschen nun schmerzhaft feststellen. Im vergangenen Jahr nahmen die Behörden fünf Männer fest, die 5000 Tonnen des Giftes aus einem Chemiewerk der Yunnan Luliang Peace Company in den Fluss Nanpan geleitet haben sollen. Dem 15-jährigen Wu Wenyong wurde Krebs diagnostiziert, jetzt macht er eine Chemotherapie. Sein Vater sagt, man habe bislang nichts über das alles gewusst. Als sein Sohn krank geworden sei, hätten sie den Grund nicht gekannt. Das hätten auch die Ärzte gesagt. Sein Land liege ganz in der Nähe der Chemiefabrik, man habe sogar einen Abfluss gelegt, um das Gift dort abzulassen. In der Nähe der Chemiefabrik ist das Vieh verendet und die Krebsrate gestiegen. “Warum haben sie die Fabrik hier gebaut und nicht in Peking oder Schanghai?”, fragt einer der Anwohner. “Weil die Leute in Peking und Schanghai aufpassen. Es ist nicht so, dass sie dort nicht bauen könnten.” Erstmals haben nun Umweltschutzorganisationen Klage gegen die Betreiber der Chemiefabrik erhoben. Sie wollen einen Fonds von 10 Millionen Yuan erreichen, mit dem die Umwelt saniert werden soll.

Der Greenpeace-Aktivist Ma Tianjie betont, es sei das erste Mal, dass eine zivile Umweltschutzorganisation als Kläger anerkannt werde. Das bedeute, dass zukünftig in ähnlichen Fällen Zivilkkläger auftreten und die Natur vertreten könnten – also diejenigen, die im jetzigen Rechtssystem keine Stimme hätten.

Studien über die tatsächlichen Folgen von Chrom-6-Verseuchungen gibt es in China noch nicht. Nach Angaben Tianjies wurden im ganzen Land gut zehn Millionen Tonnen Chrom-6 entsorgt. Er bezieht sich dabei auf Zahlen des chinesischen Umweltministeriums.