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Mit kühlem Kopf solide wirtschaften - Finnen wählen neuen Präsidenten

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Mit kühlem Kopf solide wirtschaften - Finnen wählen neuen Präsidenten

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Im finnischen Präsidentschaftwahlkampf ist viel von der europäischen Schuldenkrise zu hören und zu lesen. Und das, obwohl das Staatsoberhaupt gar keine direkte Einflußmöglichkeiten hat. Die früher einmal umfassenden Kompetenzen des Präsidenten sind bei einer Verfassungsreform 1999 fast komplett gestrichen worden. Der für Finnland so wichtige Export war 2009 um 32% zurückgegangen. Da der Export 45 % zum BIP betrug, ging die Wirtschaftsleistung um 9% zurück. Seit 2010 gelang mit verschiedenen Maßnahmen ein Gegensteuern. Nach neuen Zuwachsraten 2010 und 2011 scheint aber nun die Luft raus zu sein.

Immerhin gehört Finnland noch zu jenen 4 Euro-Ländern, denen die Ratingsagenturen die Bestnote zubilligen. Die hatte das Land vor gut 20 Jahren schon einmal verloren. Zunächst war Finnland nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa dank seiner geografischen und historischen Nähe zur untergegangenen Sowjetunion so eine Art Türöffner für Wirtschaftverbindungen Richtung Osten gewesen. Dann liess die deutsche Wiedervereinigung in Europa die Zinsen steigen.

Die Praivathaushalte machten in Finnland ebenso eifrig Schulden wie der Staat. Mit der Folge, dass der Staatshaushalt 1992 ein Defizit von 7 % verzeichnete. Moody’s , die damals einzige Agentur, die Finnland bewertete, hatte dem Land schon im Oktober 1990 sein “Triple A” aberkannt.

Im Januar 1992 stufte Moody´s Finnland noch weiter herunter auf Aa2. Der Staat musste die Banken um Hilfe bitten und seine Ausgaben radikal beschneiden. Die Folge war ein strenger Sparkurs ohne wenn und aber. Vor allem wurden öffentliche Ausgaben gekürzt. Dazu kam eine Liberalisierung der Wirtschaft. Unrentable Branchen wurden umstrukturiert. Es war die Zeit, als aus der Gummistiefelfabrik NOKIA ein Elektronikunternehmen wurde.

Soziale Errungenschaften aus den 60er Jahren wurden geopfert. Die Arbeitslosigkeit erreichte 1993 einen Spitzenstand von 18 %. All diese Opfer bescherten dem Land 1997 wieder einen ausgeglichenen Staatshaushalt, für den Finnland als Belohnung ein Jahr später auch seine “Triple A” wieder bekam.

Heute helfen die soliden Finnen den Euro-Nachbarn, die weniger solide gewirtschaftet haben.

33 Milliarden Euro hat Finnland bisher in den Rettungsfond eingezahlt, das kleine Land, in dem nun ganze 4,4 Millionen Wählberechtigte über einen neuen Präsidenten entscheiden. Und genau dieses Thema erhitzt die Gemüter der kühlen Finnen – sind wollen nicht länger so ohne weiteres für die Schulden der Euro-Partner im sonnigen Griechenland aufkommen.