Eilmeldung

Eilmeldung

Kann das Ölembargo gegen den Iran auch für Europa Folgen haben?

Sie lesen gerade:

Kann das Ölembargo gegen den Iran auch für Europa Folgen haben?

Schriftgrösse Aa Aa

Im Streit mit dem Iran hat die Europäische Union zu Mitteln gegriffen, die schmerzhaft sein könnten. Mit dem beschlossenen Ölembargo und dem Einfrieren der Konten der iranischen Zentralbank zielt Brüssel erstmals nicht unmittelbar auf Teile des Nuklearsektors, sondern auf die Wirtschaftskraft des Iran insgesamt. Das Embargo, das am ersten Juli in Kraft treten soll, wird jedoch auch für die Wirtschaft Europas Folgen haben. Italien ist zu etwa 13 Prozent, Spanien zu zehn und Griechenland ist zu rund 25 Prozent auf iranisches Öl angewiesen. Für Italien gibt es eine Sonderregelung: Weil das Land für die Ölimporte aus dem Iran nichts zahlt – das Regime in Teheran begleicht damit seine Schulden -, gilt das Embargo nicht. An den gesamten Öleinfuhren der EU hat der Iran nur einen Anteil von weniger als sechs Prozent. Doch: 90 Prozent der Exporte aus dem Iran nach Europa sind Öl. Das Ölembargo und das Einfrieren der Konten der iranischen Zentralbank sind die bisher schärfsten Sanktionen seit Beginn des Streits zwischen der internationalen Gemeinschaft und Teheran um das Atomprogramm des Iran 2005.

Wir sprechen mit Mehdi Varzi, Experte für Fragen der internationalen Politik.

Euronews:

Herr Varzi, welche Folgen wird das Embargo für iranisches Öl für die ohnehin angeschlagene Wirtschaft Europas haben? Und in welchem Maß trifft das den Bürger?

Mehdi Varzi:

Es wurde bereits so viel über dieses Wirtschafts- und Ölembargo gesprochen, dass es meiner Meinung nach bei den Ölpreisen in großem Maß bereits abgerechnet wurde, auf den Preis somit keine Wirkung zeigt. Die Menschen, die Bürger sind davon nicht betroffen, es sei denn, dass es zu einem Konflikt kommt.

Euronews:

Und Griechenland? Es war viel davon die Rede, dass die Einfuhr des Öls aus dem Iran, das Griechenland zu Sonderkonditionen bezieht, gestoppt wird und dass Athen nicht imstande sein wird, Öl zu den gängigen Preisen zu bezahlen.

Mehdi Varzi:

Griechenland hat Anlass zur Sorge, doch Saudiarabien hat seine Produktion in den vergangenen Monaten bereits erhöht. Zur Zeit fördert es mehr als zehn Millionen Barrel pro Tag, was die höchste Förderquote der vergangenen 30 Jahre ist, an die ich mich erinnere. Eigentlich ist mehr Öl als früher auf dem Markt. Auch Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate erhöhen die Produktion.

Euronews:

Es handelt sich um Mitglieder der Organisation Erdöl fördernder Länder. Entspricht es den Regeln der OPEC, dass ein Mitglied oder mehrere Mitgliedsstaaten gegen den Willen der Organisation und vor allem gegen den Willen eines anderen Mitgliedslandes mehr produzieren?

Mehdi Varzi:

Die Regelung in der OPEC besteht in der Vergabe von Förderquoten. Mit anderen Worten: Es geht um Anteile mit einer Obergrenze für die Produktion. Praktisch aber sind diese Quoten seit lange nicht mehr überprüft worden. Je mehr Zeit vergeht, desto größer sind die Schwankungen der OPEC, das heißt die Unterschiede zwischen der offiziellen Förderquote und der tatsächlichen Fördermenge jedes Mitgliedslandes. Doch ich habe immer schon gesagt, dass sich die Staaten am Markt orientieren und dass sie einen Ölstopp im Sinne von Angebot und Nachfrage nicht zulassen werden.

Euronews:

Zurück zum Embargo: Es sieht aus, als suche die Europäische Union unterschiedliche Wege, das Embargo insgesamt nicht durchzusetzen. Es scheint, als versuche die EU Washington zufriedenzustellen, das eine ganze Reihe von Staaten der Welt unter Druck setzt, ein Embargo gegen den Iran zu verhängen. Kann es sein, dass die Sanktionen der Europäer politisch und zugleich symbolisch sind?

Mehdi Varzi:

Nun, das glaube ich nicht, denn es gibt wichtige Mitglieder der Europäischen Union – es sind insbesondere Deutschland und Frankreich, die zu den führenden Staaten zählen -, die dafür sind, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Einige Mitgliedsländer fragen sich freilich, wie weit man damit gehen kann. Die führenden Mitglieder aber sind scharf darauf, den Knoten fester zu schnüren und den Iran im Zusammenhang mit seiner Atompolitik unter Druck zu setzen.

Euronews:

Sanktionen sind für den Iran nichts Neues. Zwar ziehen China, Indien und Russland nicht an dem gleichen Strang mit Europa und den USA, doch kann man sich ein Schachmatt für den Iran vorstellen?

Mehdi Varzi:

Ich denke nicht, dass wirtschaftliche Sanktionen und ein Ölembargo Europas zu einer Schachmatt-Situation führen können. Die Weltwirtschaft und insbesondere der Ölmarkt sind viel zu flexibel dafür. Es wird immer Wege geben, iranisches Öl zu verkaufen, sei es mit einem Rabatt. Der Markt gilt als fungibel, als ersetzbar. Mit anderen Worten: Er bewegt sich dorthin, wo Nachfrage nach Rohöl besteht. Doch ich würde sagen, dass der Druck auf die iranische Wirtschaft durch die steigende Arbeitslosigkeit, die steigende Inflation und den Wertverlust der iranischen Währung, des Rial, wächst.