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Lagarde: Euro-Rettungsschirm ist zu klein

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Lagarde: Euro-Rettungsschirm ist zu klein

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Der Internationale Währungsfonds hat eine deutliche Ausweitung des Euro-Rettungsschirms gefordert. Es werde eine größere Brandmauer gebraucht, sagte IWF-Direktorin Christine Lagarde in Berlin.

Vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik plädierte Lagarde dafür, die Mittel des im Sommer auslaufenden Hilfsfonds EFSF dem Nachfolge-Rettungsschirm ESM zur Verfügung zu stellen. Die politische Führung in Europa rief sie auf, drei Ziele stärker als bisher zu verfolgen: Wachstum, höhere Brandmauern und eine größere Integration der Haushaltspolitik.

Eine Woche vor dem EU-Sondergipfel wächst damit der Druck auf Deutschland, die Euro-Hilfen nochmals auszuweiten. So verlangt neben Lagarde auch der italienische Regierungschef Mario Monti, das Hilfsvolumen des ESM auf bis zu eine Billion Euro zu verdoppeln. Ähnliche Forderungen kommen aus anderen Ländern.

Mit Blick auf die nächste Konjunkturprognose des IWF sagte Lagarde, für die meisten Regionen werde der Fonds seine Vorhersagen senken, so auch für die Eurozone. Selbst diese niedrigeren Wachstumsprognosen unterstellten aber, dass die Politik konstruktive Lösungen finde. Dies sei aber keinesfalls gesichert. Das globale Finanzsystem bleibe fragil.

Nach der Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin gab Christine Lagarde euronews das folgende Interview.

euronews: Sie ist eine der mächtigsten Frauen der Welt, sie kann die Märkte bewegen, sie will die Weltwirtschaft retten und sie ist uns jetzt aus Berlin zugeschaltet, die Direktorin des IWF, Christine Lagarde. Vielen Dank, dass Sie bei uns sein konnten. Lassen Sie mich mit der globalen Konjunkturprognose beginnen. In Ihren jüngsten Erklärungen zeigten Sie sich beunruhigt über die Wachstumsaussichten und steigende Unsicherheit. Dabei haben wir doch erst kürzlich positive Daten aus den USA, aus Deutschland und aus China bekommen. Sind Sie nicht ein wenig zu pessimistisch?

Lagarde: Sicher haben wir in den vergangenen Tagen einige positive Signale gesehen, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. 2012 muss ein Jahr der Heilung werden. Und dafür müssen umfassende Lösungen umgesetzt werden, und zwar auf kooperative Weise. Für die Euro-Partner heißt das: sich stärker auf Wachstum, höhere Brandmauern und eine größere Haushaltsintegration zu konzentrieren.

euronews: Kommen wir zu den jüngsten Vorschlägen des IWF. Sie wollen die Kreditfähigkeit des Fonds um 500 Milliarden Dollar erhöhen, weil Sie einen Finanzierungsbedarf von einer Billion Dollar errechnet haben. Was wollen Sie mit so viel Geld machen?

Lagarde: Diesen Bedarf haben wir nicht aus Spaß an Zahlen ermittelt, sondern aus konkreten Berechnungen für die nächsten zwei Jahren auf globaler Basis. Und zwar dann, wenn vernünftige politische Maßnahmen getroffen werden.

euronews: Daran schließt sich natürlich die Frage nach den Geldgebern an. Die Amerikaner haben schon abgewunken und gesagt, sie würden nicht mehr bezahlen. Es gab darüber in Cannes ja schon Streit mit anderen G20-Mitgliedern. Die Europäer haben, glaube ich schon 200 Milliarden Dollar verspochen, aber woher soll der Rest kommen?

Lagarde: Es gibt in der Tat das Versprechen der Euro-Partner. Darüber hinaus haben ich Hinweise von anderen IWF-Mitgliedern bekommen, dass sich sich beteiligen wollen. Vor allem dann, wenn die Europäer ihre Brandmauer verstärken wollen. Im Moment haben wir also einige Optionen, es gibt Gespräche und Verhandlungen. Diese werden wir fortsetzen in der Hoffnung, dass der IWF seine Rolle spielen kann. Und zwar so, wie es die Statuten des Fonds vorsehen.

euronews: Eine letzte Frage. Sie werden diese Woche in Davos sein beim Weltwirtschaftsforum – was wollen Sie dort erreichen, wen wollen Sie dort treffen?

Lagarde: Zunächst will ich natürlich meine Botschaft verbreiten, dass nämlich nicht nur alles düster ist, sondern dass es auch einen Ausweg aus der Krise gibt. Wir haben einen Spielraum für richtiges politisches Handeln, um das Ruder herumzureissen. Aber natürlich freue ich mich auch darauf, in Davos alle möglichen Leute zu treffen. In unsere globalen Wirtschaft brauchen wir jeden. Wir brauchen jenseits eingefahrener Gleise neue Idee, neue Modelle. Und dafür ist Davos hilfreich.