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IWF-Chefin hofft auf "Jahr der Heilung" für Eurozone

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IWF-Chefin hofft auf "Jahr der Heilung" für Eurozone

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Stefan Grobe, euronews: “Sie ist eine der mächstigsten Frauen der Welt, sie kann die Märkte bewegen, sie will die Weltwirtschaft retten und sie ist uns jetzt aus Berlin zugeschaltet, die Direktorin des IWF, Christine Lagarde. Vielen Dank, dass Sie bei uns sein konnten.”

Christine Lagarde, Direktorin des IWF: “Thank you.”

euronews: “Lassen Sie mich mit der globalen Konjunkturprognose beginnen. In Ihren jüngsten Erklärungen zeigten Sie sich beunruhigt über die Wachstumsaussichten und steigende Unsicherheit. Dabei haben wir doch erst kürzlich positive Daten aus den USA, aus Deutschland und aus China bekommen. Sind Sie nicht ein wenig zu pessimistisch?”

Lagarde: “Sicher haben wir in den vergangenen Tagen einige positive Signale gesehen, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. 2012 muss ein Jahr der Heilung werden. Und dafür müssen umfassende Lösungen umgesetzt werden, und zwar auf kooperative Weise. Für die Euro-Partner heißt das: sich stärker auf Wachstum, höhere Brandmauern und eine größere Haushaltsintegration zu konzentrieren. Für die USA und Japan heißt das dagegen: glaubwürdige mittelfristige Strategien zu finden, um das Defizit zu reduzieren und von ihrem Schuldenkurs abzukommen.”

euronews: “Kommen wir zu den jüngsten Vorschlägen des IWF. Sie wollen die Kreditfähigkeit des Fonds um 500 Milliarden Dollar erhöhen, weil Sie einen Finanzierungsbedarf von einer Billion Dollar errechnet haben. Was wollen Sie mit so viel Geld machen?”

Lagarde: “Diesen Bedarf haben wir nicht aus Spaß an Zahlen ermittelt, sondern aus konkreten Berechnungen für die nächsten zwei Jahren auf globaler Basis. Und zwar dann, wenn vernünftige politische Maßnahmen getroffen werden. Und dieser Finanzbedarf beläuft sich auf zwei Billion Dollar. Dazu muss die allgemeine Kreditfähigkeit auf die Hälfte die Summe gesteigert werden. Deswegen brauchen wir zusätzliche 500 Milliarden Dollar für 2012 und 2013. Unter den besten Umständen freilich wird dieses Geld gar nicht erst gebraucht.”

euronews: “Daran schließt sich natürlich die Frage nach den Geldgebern an. Die Amerikaner haben schon abgewunken und gesagt, sie würden nicht mehr bezahlen. Es gab darüber in Cannes ja schon Streit mit anderen G20-Mitgliedern. Die Europäer haben, glaube ich schon 200 Milliarden Dollar verspochen, aber woher soll der Rest kommen?”

Lagarde: “Es gibt in der Tat das Versprechen der Euro-Partner. Darüber hinaus haben ich Hinweise von anderen IWF-Mitgliedern bekommen, dass sich sich beteiligen wollen. Vor allem dann, wenn die Europäer ihre Brandmauer verstärken wollen. Im Moment haben wir also einige Optionen, es gibt Gespräche und Verhandlungen. Diese werden wir fortsetzen in der Hoffnung, dass der IWF seine Rolle spielen kann. Und zwar so, wie es die Statuten des Fonds vorsehen.”

euronews: “Das nächste G20-Finanztreffen findet im Februar in Mexiko statt. Rechnen Sie bis dahin mit einer Vereinbarung?”

Lagarde: “Das Schlusskommuniqué beim G20-Gipfel in Cannes rief die Verantwortlichen ausdrücklich dazu auf, die Kreditfähigkeit des IWF zu erhöhen. Daran wird gerade gearbeitet. Ich glaube es gibt allen Grund zur der Annahme, dass hier in naher Zukunft ein erheblicher Fortschritt gemacht werden kann.”

euronews: “Die US-Regierung hat mehrfach erklärt, sie halte Europa für der Lage, mit seinen Problemen allein fertig zu werden. Das klingt für mich so, als wolle Washington nicht, dass der IWF eine größere Rolle in Europa spielt. Wie sehen Sie das? Kann die Eurozone, kann der Euro-Rettungsfonds eine Brandmauer errichten ohne die Unterstützung des IWF?”

Lagarde: “Also, ich stehe an der Spitze einer multilateralen Institution, deren Mission es ist, sich an der Schaffung von Stabilität in der Welt zu beteiligen. Und zwar auf kooperative Weise. Es gehört also zu unserer Mission, dass wir uns an diesem Prozess beteiligen. Ich bin sicher, dass die IWF-Mitglieder am Ende zusammenkommen und geeignete Lösungen beschließen. Wir brauchen Mitgliedsländer, Anstrengungen und die gemeinsame Entschlossenheit, um zu dieser geeigneten Lösung zu kommen. Dabei wird

der IWF mitwirken.”

euronews: “Eine letzte Frage. Sie werden diese Woche in Davos sein beim Weltwirtschaftsforum – was wollen Sie dort erreichen, wen wollen Sie dort treffen?”

Lagarde: “Zunächst will ich natürlich meine Botschaft verbreiten, dass nämlich nicht nur alles düster ist, sondern dass es auch einen Ausweg aus der Krise gibt. Wir haben einen Spielraum für richtiges politisches Handeln, um das Ruder herumzureissen. Aber natürlich freue ich mich auch darauf, in Davos alle möglichen Leute zu treffen. In unsere globalen Wirtschaft brauchen wir jeden. Wir brauchen jenseits eingefahrener Gleise neue Ideen, neue Modelle, und dafür ist Davos hilfreich.”