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TV-Orakel Sarkozy

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TV-Orakel Sarkozy

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Ob er in drei Monaten überhaupt wieder zur Wahl antritt, will Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erst Anfang März sagen. Aber beim programmatischen Interview war ihm die Aufmerksamkeit sicher:

“Die Schock-Reformen von Sarkozy” oder “ein Präsident auf verlorenem Posten” – titelten die Zeitungen – aber Schlagzeile ist Schlagzeile.

Angekündigt hat “Sarko”, wie ihn die Franzosen nennen, hauptsächlich Unpopuläres: Eine höhere Mehrwertsteuer und flexiblere Arbeitskosten.

Jetzt rätseln viele – will er es überhaupt noch werden?

Martine Aubry, Parteichefin der Sozialisten

“Kandidat will Nicolas Sarkozy ja noch nicht sein, aber sein Programm kennen wir jetzt. Es geht gerade so weiter mit der Knapserei. Mit der Mehrwertsteuer à la Sarkozy. Und die Unsicherheit nimmt zu. Eigentlich wettbewerbsfähig macht aber das, was François Hollande vorschlägt: Die Finanzen in den Dienst der Wirtschaft stellen.”

Sarkozy in der Rolle eines Verzicht verlangenden Winston Churchill ?

Es wird sich sehr schnell zeigen, ob er ein unbedachtes Risiko eingegangen ist oder ob ihm ein entscheidender Coup gelungen ist, kommentiert der konservative “Le Figaro.”

Die Meinungsforscherin Celine Bracq vom BVA Institut:

“Nicolas Sarkozy versucht das Gleiche, was schon 2007 funktioniert hat und 2008. Er spielt die Wirtschaftskarte und spricht von mutigen Schritten für das Land. 2007 wurde er daraufhin zum Präsidenten gewählt, zum Krisenpräsidenten Nicolas Sarkozy. Ob das wieder funktioniert? Nicht sicher, wenn man seine extreme Unpopularität nimmt. Nicht sicher, dass ihn dieser Fernsehauftritt herausreißt.”

Mehr als 16 Millionen Zuschauer haben das Interview gesehen. In Umfragen liegt der sozialistische Kandidat François Hollande bisher weit vorn – eine prognostizierte sogar sagenhafte 70 Prozent im Fall einer Stichwahl zwischen den beiden.

mit dpa, Reuters, AFP