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Rente oder lebenslanges Lernen?

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Rente oder lebenslanges Lernen?

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Der 58-Jährige Jens Ole war drei Jahrzehnte lang Zimmermann und gibt heute seine Erfahrung in einem dänischen Unternehmen an junge Leute weiter. Wenn es seine Gesundheit erlaubt, wird er mit 62 nicht in Rente gehen sondern weiterarbeiten. “Mein Leben lang habe ich bei verschiedenen Versicherungen Geld angelegt. Ich bin darauf vorbereitet, dass mein Einkommen mit dem Renteneintritt kleiner wird, Angst bereitet mir das aber nicht”, sagt Jens Ole. Trotz der harten Arbeit auf dem Bau nehmen 20 Prozent der Angestellten am Programm für Senioren teil. Sie wollen länger arbeiten, denn mit 55 stehen ihnen flexiblere Arbeitszeiten und regelmäßige Gesundheitskontrollen zu.

Auch übernehmen sie die Anleitung Jüngerer. In fünf Jahren wird es in Europa mehr Rentner als junge Arbeitnehmer geben. Das europäische Jahr für aktives Altern gilt der Suche nach neuen Lösungen, um älteren Arbeitnehmern Wertschöpfung und ein angemesseneres Leben zu ermöglichen. Bei einer Konferenz in Kopenhagen debattierten Experten und Politiker darüber. Menschen zwischen 54 und 60 machen inzwischen fast ein Viertel der Arbeitskräfte Europas aus. Verlieren sie ihren Job, entscheidet sich etwa eine Hälfte davon zum Vorruhestand. Die EU-Kommission will eine Milliarde Euro für neue Programme zur Verfügung stellen. “Dieses Verhalten bedarf einer Änderung, doch sie wird nur möglich sein, wenn wir lebenslanges Lernen, Trainingsmöglichkeiten, Unternehmerschaft, Selbständigkeit unterstützen”, so Laszlo Andor, EU-Kommissar für Arbeit. Nicht wenige Unternehmen und Arbeitsvermittlungen sind von einem Mentalitätswandel überzeugt. Ältere Arbeitnehmer sind nach der Meinung von Annemarie Muntz von der Arbeitsvermittlung Randstad ausgeglichener, weniger krank und produktiver, weil sie mehr Lebenserfahrung haben. “Es handelt sich um Menschen, die auf eine Karriere von dreißig, vierzig Jahren zurückblicken, das heißt, dass die Arbeitskraft damit sehr sehr wichtig wird”, gibt Jacques Spelkens von dem französischen Konzern GDF Suez zu bedenken. “Unternehmen bietet sich eine neue Möglichkeit, Einstellungen vorzunehmen.” Ziel des europäischen Jahrs für aktives Altern ist zugleich, für ältere Menschen ein unabhängigeres und sozial engagiertes Leben zu schaffen. In unserer Rubrik CloseUp mehr über das Thema in einem Gespräch mit Claudia Menne vom Europäischen Gewerkschaftsbund.