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Romney siegt überlegen in Florida - war´s das schon?

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Romney siegt überlegen in Florida - war´s das schon?

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Wir wollen Florida jetzt analysieren mit Jeffrey Frieden, Professor für Regierungslehre an der Harvard-Universität, den ich in Boston begrüße. Schön, dass Sie da sind. In Florida hat Romney viermal soviel Geld ausgegeben wie Gingrich. Der Staat wurde mit Wahlwerbung geradezu bombardiert. Am Montag liefen etwa in einem Lokalfernsehen von Jacksonville innerhalb von 15 Minuten fünf Spots von Romney. Wird das jetzt so weitergehen bis zum Ende der Vorwahlen?

Jeffrey Frieden

Es wird darauf hinauslaufen, wenn Romney Geld ausgeben muss, um Gingrich zu schlagen. Wenn er andererseits aber weit genug vorne liegt, braucht er nicht noch mehr an seine Kriegskasse zu gehen. Er kann es dann für den eigentlichen Wahlkampf sparen. Das Problem in Florida bestand darin, dass er die vorangegangene Vorwahl in South Carolina verloren hatte. Darum war es für ihn so ungeheuer wichtig, in Florida gut abzuschneiden. Und das hat er getan. Ich denke, er hat schon seine Resourcen auf Florida konzentriert, um mit Sicherheit ein solches Ergebnis zu erreichen. Ich glaube, er wird in den nächsten Monaten nicht so viel gegen Gingrich ausgeben müssen. Aber wenn es knapp wird, wird er wieder alle finanziellen Register ziehen.

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Wir haben Romneys Fähigkeit, Wähler zu elektrisieren, hier immer wieder in Frage gestellt. Kann er jetzt die republikanischen Wähler begeistern?

Jeffrey Frieden

Ja, ich denke, sie haben jetzt schon eine gewisse Begeisterung entwickelt für ihn als denjenigen, der Barack Obama schlagen kann. Ich denke, er kann nicht solche Jubelstürme auslösen wie man sie bei der Anhängerschaft von Ron Paul erlebt hat – oder vielleicht auch bei Newt Gingrich. Er wird als kompetent und glaubwürdig wahrgenommen, als jemand mit Erfahrung in Verwaltung und im Geschäftsleben. Für wichtiger aber halte ich, dass der durchschnittliche republikanische Wähler ihm zutraut, Barack Obama schlagen zu können. Die meisten Wählerbefragungen in Florida haben gezeigt, dass er gewählt wurde als der aussichtsreichste Kandidat im Rennen gegen Obama.

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Reden wir über Gingrich. Er ist 68, sein Amt als Parlamentspräsident des Repräsentantenhauses liegt 14 Jahre zurück. Es ist wohl seine letzte Chance, Präsident zu werden. Und er scheint ernsthaft einen langen blutigen Marsch bis zum Parteitag wagen zu wollen. Hat er wirklich noch eine Chance, das Ruder herum zu reißen?

Jeffrey Frieden

Doch, er hat noch eine Chance, auch wenn ich sie sehr, sehr klein nennen würde. Wenn Gingrich beim Super Tuesday Anfang März in einigen Südstaaten sehr gut abschneidet, dann könnte er vielleicht das Ruder noch herumreißen. Zwei Dinge arbeiten gegen ihn: Erstens die klare Niederlage in Florida. Außerdem liegt er in Umfragen in den nächsten Vorwahlstaaten hinten. Und zweitens ist das Partei-Establishment wegen seiner Bewerbung ziemlich beunruhigt. Aus ihrer Sicht würde er gegen Obama klar verlieren. Das ist der Grund, warum ich seine Chancen als so extrem gering einschätze. Und auch wenn er bis zum Parteitag weitermacht, ist die Wahrscheinlichkeit, dort zum Kandidaten erkoren zu werden, sehr, sehr klein.

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Die Vorwahlen der Republikaner von Europa aus zu verfolgen, ist sehr lehrreich. Romney und Gingrich sprechen über Europa immer nur im Rahmen ihrer Anti-Obama-Rhetorik in der Art von:

“Obama will einen europäischen Wohlfahrtsstaat, einen europäischen Sozialismus.” Wer glaubt das in Amerika?

Jeffrey Frieden

Ja, bedauerlicherweise wird Europa besonders von amerikanischen Konservativen gleichgesetzt mit Wohlfahrtsstaat, Versorgungsanspruch, Sozialdemokratie, einem sozialen Netz, das wesentlich umfangreicher ist als in den USA. Darum glauben sie auch, die Regierung mische sich immer zu sehr in die Wirtschaft ein. Europa steht für sie geradezu repräsentativ für den vormundschaftlichen Staat. Die ziemlich konservative republikanische Wählerschaftsieht in Europa etwas, was sie in den USA vermeiden will, eben den Staat, dessen Ausgaben für Wohlfahrt wachsen und wachsen.

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Wir werden die Vorwahlen weiter verfolgen. Dies war Professor Jeffrey Frieden von der Harvard-University. Vielen Dank.