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Hilfe für Obdachlose - mit dem Roten Kreuz in Brüssel unterwegs

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Hilfe für Obdachlose - mit dem Roten Kreuz in Brüssel unterwegs

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Das Thermometer zeigt Minus 12 Grad Celsius und die Freiwilligen des Roten Kreuzes bereiten sich auf die Nacht vor. In den Rolltaschen verstauen sie Kleidung, Decken, Nahrung und Thermoskannen mit Suppe und Kaffee. Der Inhalt ist für die Obdachlosen bestimmt, deren Übernachtungsorte sie kennen.

Meist handelt es sich um Menschen wie Luc, die Obdachlosenzentren meiden. Luc ist heute Abend froh, denn im März kann er eine Wohnung beziehen: “Ich habe überall gesucht und endlich etwas gefunden. 360 Euro Miete, 80 für Strom, Gas und alles andere.” Luc Swysen arbeitet als Biotechniker in einer Klinik. Seit 29 Jahren ist er Freiwilliger. Über seinen Einsatz berichtet er: “Wir achten ihre Entscheidung, nicht in die Obdachlosenzentren zu gehen. Auch nehmen wir uns Zeit für ein Gespräch mit ihnen, es geht um einen Austausch, der zehn, 15 oder 20 Minuten dauern kann.”

Gegen 22 Uhr schließen wir uns einer Gruppe von Sozialarbeitern an. Ihre Aufgabe ist, den Ärmsten der Armen zu helfen. Jean-Felix, der seit zwölf Jahren dabei ist, koordiniert die Arbeit. Ein Krankenpfleger und eine Hilfspflegerin begleiten ihn. Jean-Felix arbeitet bis in die Morgenstunden. Der Sozialdienst betreut mehr als 2 000 Menschen. In Brüssel werden jedoch bis zu 4 000 Obdachlose gezählt.

In einer Metrostation berichtet ein Mann den Helfern, wie er von einer Bande Jugendlicher überfallen wurde. Agim stammt aus Albanien: “Sie wollten mir den Geldbeutel entreissen, weil ich mich wehrte, schlugen sie auf mich ein. Sie verletzten mich am Kopf und am Arm.” Für Agim geschieht heute Abend ein Wunder: Ein Luxushotel stellt mehrere Zimmer für die Obdachlosen für eine Nacht bereit. Für den Sozialarbeiter Jean-Felix ist die Arbeit aber noch lange nicht zuende. “Auch andere Bevölkerungsschichten leiden inzwischen unter Armut, darunter Menschen, die arbeiten, die eine Halbtagsarbeit gefunden haben und die ihre Wohnung verlieren, weil sie die 500 Euro Miete nicht aufbringen können, die in Brüssel nötig sind”, sagt Jean-Felix.