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Was verletzte Ahli-Fans zum Krawall von Port Said zu sagen haben

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Was verletzte Ahli-Fans zum Krawall von Port Said zu sagen haben

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Das Stadion von Port Said am Morgen danach.

Überall Spuren von Zerstörung und Gewalt.

Das Blut an den Wänden ist noch kaum getrocknet, da erwächst aus dem tödlichen Ende eines Fußballspiels schon neuer Hass. Dabei sind die Hintergründe noch lange nicht geklärt.

Und schon gehen die Zusammenstösse mit der Polizei auf den Straßen weiter. Auffällig beim Gewaltausbruch am Ende des Fußballspiels war, dass die sonst so schnell zum Knüppel greifende Polizei sich zurückhielt. Einer, der dabei war, sagt:

“Ich bin ein Al-Ahli-Fan. Ich mache die Polizei für alles verantwortlich. Normalerweise werden wir durchsucht, aber diesmal nicht!”.

Ein älterer Fan, der auch dabei war, sieht es als geplanten Überfall an, der nichts mit Fußball zu tun hatte. “Sie haben doch gewonnen”, sagt er, “da machte das doch keinen Sinn.”

Das war keine Prügelei zwischen Fans, sie wurden gezielt angegriffen, berichten mehrere Verletzte.

So vermuten viele einen gezielten Racheakt von Polizei und Militär an der aufmüpfigen Jugend.

Dieser Ahli-Anhänger berichtet, sie wurden von ihren Plätzen weiter oben hinuntergetrieben auf das Spielfeld. Und selbst als es die ersten Toten gab, mischten sich keine Sicherheitskräfte ein.

Er selber wurde mit einem Messer an Hand und Kopf verletzt.

Die Ahli-Anhängern sind politisch aktiv. Sie gehörten zu den Jugendlichen, die vor einem Jahr auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen das Mubarak-Regime demonstrierten. Was in Port Said geschah, beunruhigt auch die eben erst gewählten Parlamentarier. Viele verlangen eine umfassende Untersuchung. Der Abgeordnete Mustafa Bakry von der Partei der Muslimbrüder hat den Eindruck, dass hier der Staat geschwächt werden soll. Er spricht von Vorsatz. Von einer gezielten Aktion durch Leute vom alte Regime und auch von Israel und Amerika.

Schon das Datum gibt zu denken. Auf den Tag genau ein Jahr vor Port Said versuchten Mubarak-Anhänger den Protest auf den Tahrir-Platz nieder zu reiten. Die Mutigsten, die sich ihnen in den Weg stellten, waren Fußballfans vom Klub Al-Ahli.