Eilmeldung

Eilmeldung

Palästinensische Versöhnung - für wielange?

Sie lesen gerade:

Palästinensische Versöhnung - für wielange?

Schriftgrösse Aa Aa

“Die Palästinenser” als einige politische Kraft gab es noch nie. Aber mit Beginn der ersten Intifada, als 1987 junge Palästinenser mit Steinen auf die verhassten isralineschen Besatzer losgingen, drifteten die verschiedenen Fraktionen noch weiter auseinander. Aus dieser Jungendbewegung erwuchs die Hamas, als politische Geburtshelfer gelten die ägyptischen Muslimbrüder. Die “Väter” beider Fraktionen vertraten klar abgegrenzte Positionen. Jassir Arafat entwicklete sich in Richtung Realpolitik, während für Hamas-Gründer Scheich Jassin die Auslöschung Israels das Ziel war.
So ging Arafat mit seiner Fatah zu den geheimen Friedensverhandlungen mit Israel, die 1993 mit dem historischen Handschlag auf dem Rasen des Weißen Hauses endeten. Mit US-Präsident  Bill Clinton als Friedenspaten. Die Hamas lehnte das Oslo-Friedens-Abkommen immer ab.
Dann starb Ende 2004 Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Das Chaos bei seiner Beisetzung in Ramallah kann man durchaus symbolisch sehen für die folgenden innerpalästinensischen Konflikte. Die Hamas blieb bei ihrer Ablehnung des Friedensabkommen.
Aber an den palästinensischen Parlamentswahlen im Januar 2006 beteiligte sie sich – und errang die absolute Mehrheit. Koalitionsverhandlungen mit der geschwächten Fatah scheiterten. Im März bildete die Hamas allein eine Regierung. Das war der Anfang vom offenen Bruderkrieg. Auf dessen Höhepunkt im Mai-Juni 2007 löste Palästinenserpräsident Abbas die Regierung auf, die ihrem Namen “nationale Einheit” nie gerecht geworden war. Anschließend vertrieb die Hamas die feindlichen Brüder von der Fatah aus dem Gazastreifen und regiert seither dort allein.
Seitdem gibt es zwei Palästinensergebiete und zwei Palästinenserprobleme. Die Hamas beschießt aus dem Gazastreifen heraus israelische Zivilisten, Israel hat den Gazastreifen komplett abgeriegelt.
Die Fatah sucht vom Westjordanland heraus weiterhin nach einer Friedensregelung mit Israel. Letzter Höhepunkt dieser Bemühungen war zur Eröffnung der jüngsten UN-Vollversammlung im September 2011 der offizielle Antrag auf Mitgliedschaft, was auf eine internationale Anerkennung eines Palästinenserstaates hinauslaufen würde. Eines halben Palästinenserstaates? Da das nun garantiert nicht funktionieren kann, reden sie wieder miteinander.
Zunächst trafen sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Hamas-Exilchef Chaled Meschaal im Dezember in Kairo. Es sieht so aus, als würde diesmal der politische Wille beider Seiten in die gleiche Richtung gehen. Für wie lange, das ist die andere Frage.