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Wie geht es weiter in Syrien? - Interview mit David Hartwell

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Wie geht es weiter in Syrien? - Interview mit David Hartwell

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Tokunbo Salako, Euronews: “Wir sprechen mit David Hartwell in London, er schreibt für das militär-wissenschaftliche Magazin Jane’s Defence Weekly.

Das russische und chinesische Veto im UN-Sicherheitsrat zur Syrienresolution wird weltweit verurteilt. Wie sehen Sie jetzt den Handlungsspielraum der internationalen Gemeinschaft?”

David Hartwell: “Er ist sehr beschränkt. Ein gemeinsamer Beschluss im Sicherheitsrat ist so gut wie ausgeschlossen.

Möglicherweise werden die Europäer und die Amerikaner ihre Sanktionen verstärken. Der Ruf nach einem Einschreiten in Syrien wird möglicherweise auf internationaler Ebene noch lauter werden. Im Moment stehen die Europäer, die Amerikaner und die Arabische Liga zusammen, aber es ist möglich, dass sich dies in Zukunft zu einem noch größeren Staatenbund ausweitet oder dass sich Länder in einer Art Syrien-Kontaktgruppe zusammentun. Es ist vorstellbar, dass diese sich dann sogar über die Vereinten Nationen hinwegsetzt und dem syrischen Regime ihre eigenen Sanktionen aufzwingt.”

Tokunbo Salako, Euronews: “Nicht einmal 24 Stunden nach dem Veto erreichten uns Berichte aus Homs, dass die syrische Regierung – anscheinend angestachelt durch das Veto – mit noch brutalerer Gewalt dort zuschlägt. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft für das Regime in Damaskus aus?”

David Hartwell: “Ein Problem ist die unterschiedliche Wahrnehmung der russischen Entscheidung. Die Russen sehen in ihrem Veto nicht unbedingt eine Unterstützung für Baschar al-Assad. Den Russen geht es mehr um das Prinzip der Nicht-Einmischung und darum, eine Lösung in Syrien zu finden, die von beiden Seiten akzeptiert werden kann.

Die syrische Regierung sieht das russische Veto tatsächlich, wie Sie sagten, als eine Art Freibrief, jetzt erst recht gegen die Opposition vorzugehen. Die syrische Regierung glaubt, unter einer Art Schutz der Russen zu stehen. Die Russen versuchen da einen Spagat, der ihnen nicht gelingt.”

Tokunbo Salako, Euronews: “Wie einig sind sich denn die Rebellen untereinander?”

David Hartwell: “Das ist schwer zu sagen. Es ist schwierig, vertrauenswürdige Informationen aus Syrien zu bekommen. Sie sind sich einig in einer Sache: Sie wollen ein Ende des Regimes von Baschar al-Assad. Ob sie sonst noch etwas eint, ist eine gute Frage, aber schwer zu beantworten. Unter den Rebellen sind so verschiedene Gruppen wie die Säkularisten, die Nationalisten, die Liberalen, auch Mitglieder der Muslimbruderschaft, wohl auch Salafisten. Da sind also ganz verschiedene Ansichten vertreten. Ob sie sich auf mehr einigen können als auf ein Ende des momentanen Regimes, das wissen wir nicht. Der Westen wird in den kommenden Wochen mit dieser Frage konfrontiert werden.”