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Eklat in Frankreichs Parlament

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Eklat in Frankreichs Parlament

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Die Äußerungen des französischen Innenministers zur Überlegenheit bestimmter Kulturen haben für einen Eklat in der Nationalversammlung gesorgt. Der oppositionelle Abgeordnete Serge Letchimy aus dem Überseegebiet Martinique warf Innenminister Claude Guéant braunes Gedankengut vor. Daraufhin verließ das konservative Regierungslager den Saal.

“Sie, Herr Guéant, bevorzugen den Schatten, Sie bringen uns Tag um Tag zurück zu diesen europäischen Ideologien, die die Konzentrationslager hervorbrachten, am Ende einer langen Kette der Sklaverei und des Kolonialismus. Herr Guéant, das Nazi-Regime, das sich so um die Säuberung sorgte – war das eine Zivilisation?” feindete Letchimy den Minister an.

Guéant hatte am Samstag vor Studenten erklärt, dass nicht alle Kulturen von gleichem Wert seien und es Fortschrittlichere und Überlegenere gebe. Er musste sich später rechtfertigen, damit nicht die Muslime gemeint zu haben. Eine Entschuldigung lehnten alle Beteiligten ab.

Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande schob später nur nach: “Was ich missbillige, das ist diese unnütze Polemik. Diese verletzende Spaltung, der Unfriede. Ist Ihnen klar, dass ein Innenminister, der das Land zur Ordnung bringen sollte, stattdessen Spaltung und Unfriede sät? Das reicht!”

Die Linke wirft Sarkozys engem Vertrauten Guéant vor, Stimmen am rechten Rand zu fischen. Sarkozy liegt in den Umfragen für die erste Runde der Präsidentschaftswahl hinter Hollande, könnte in der Stichwahl aber von den Le-Pen-Wählern profitieren.