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Marzouki: Tunesiens wirtschaftliche Erneuerung wird Jahre brauchen

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Marzouki: Tunesiens wirtschaftliche Erneuerung wird Jahre brauchen

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Früher saß er im Gefängnis und im Exil, heute sitzt Moncef Marzouki auf dem Präsidentenstuhl in Tunesien. Zwei Monate ist die neue, demokratisch gewählte Koalitionsregierung im Amt, die Herausforderungen sind groß. Nach dem Sturz von Diktator Ben Ali ging es mit Wirtschaft und Tourismus bergab. Erst seit dem Sommer meldet die Tourismusbranche wieder Zuwächse.

Viele Tunesier sind arbeitslos – offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei 15 Prozent. Jetzt haben die Bürger zwar Demokratie, aber wirtschaftlich geht es ihnen nicht besser.

“Die Leute müssen verstehen, dass unsere Regierung gerade mal zwei Monate lang Zeit hatte”, beschwichtigt Marzouki im Interview mit euronews Kritiker und von der Revolution Frustrierte. “Wir brauchen zwei oder drei Jahre, um eine solide Grundlage für die wirtschaftliche Erneuerung des Landes zu schaffen. Die Regierung ist dabei, die Ecksteine für fundamentale Reformen zu legen, deren Ergebnisse wir in frühestens fünf Jahren sehen werden. Das müssen die Leute begreifen.”

Das Land hofft auf Investoren. Um den Handel anzukurbeln, bietet die Europäische Union Tunesien eine privilegierte Partnerschaft an. Ein Jahr nach dem Sturz Ben Alis beschlagnahmten die Behörden vergangene Woche in großem Umfang sein Eigentum. Der geschasste Präsident befindet sich weiterhin in Saudi-Arabien, das seine Auslieferung an die tunesische Justiz bislang verweigert.

Am 14. Januar beging Tunesien feierlich den ersten Jahrestag der Revolution. Das Mutterland des arabischen Frühlings zeigt auch außenpolitisch Flagge und kündigte am Wochenende wegen der Gewalt in Syrien die Ausweisung des syrischen Botschafters an.

“Wir sind das erste Land, das erfolgreich Revolution gemacht hat, man sieht uns als Vorbild an”, erklärt Marzouki. “Wir haben unseren nationalen Stolz, aber wir haben auch die Pflicht, dem syrischen Volk zu helfen. Aber wie? Wir sind gegen eine militärische Intervention. Also verweigern wir zumindest symbolisch, dass in unserem Land die Flagge des Baath-Regimes gehisst wird. Das war der Grund für unsere Entscheidung.”

Das vollständige Interview mit Präsident Moncef Marzouki können Sie an diesem Dienstagabend um 21.45 bei euronews sowie im Internet sehen.