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Wir haben keine Angst vor den Islamisten

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Wir haben keine Angst vor den Islamisten

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Euronews: “In Ägypten geht die Gewalt nach dem Fall Mubaraks seit einem Jahr weiter. Politisch gesehen herrscht gelinde gesagt Verwirrung, teilweise auch Wut über die Militärregierung. Dutzende Demonstranten starben auch nach Mubarak. Und immer wieder steht der Tahrir-Platz im Mittelpunkt. Wir sprechen jetzt mit Said Al-Lawindi in Kairo, dem stellvertretenden Chefredakteur der staatlichen Zeitung “Al-Ahram”.

Sie ist eine der ältesten Zeitungen der arabischen Welt und hat eine der höchsten Auflagen in Ägypten.

Said Al-Lawindi, der Prozess gegen Mubarak läuft nun schon seit sieben Monaten. Immer wieder werden Anhörungen verschoben. Will die ägyptische Regierung ihn denn überhaupt verurteilen?”

Al-Lawindi: “Wir wussten, dass der Mubarak-Prozess lange dauern würde. Ägyptische Gerichte arbeiten eben langsam. Aber die Menschen sind wütend und sie wollen ein Urteil. Deshalb sollte die Regierung den Prozess vorantreiben, sie muss ihn zu einem Ende bringen. Im Fall Mubarak muss ein Urteil her.”

Euronews: “Momentan wird Ägypten vom Militärrat regiert. Wie soll das weitergehen? Mubarak ist weg, aber die Regierung bleibt gleich. Braucht das Land noch eine Revolution?”

Al-Lawindi: “Es ist sehr schwierig, so zu leben, mit einem Militärrat an der Macht. Für die Ägypter ist es schwer, den Militärrat als Regierung zu akzeptieren. Vergessen wir nicht: Mubarak kam vom Militär, Sadat übrigens auch und auch Gamal Abdel-Nasser. Das ägyptische Volk hat die Nase voll von Militärs. Ministerpräsident Kamal Gansuri hat gesagt, dass die Militärregierung nur bis zum 30. Juni im Amt bleibt.”

Euronews: “Ägypten hat jetzt ein neues Parlament, aber drei Viertel der Abgeordneten sind Islamisten. Wie soll es da zu Demokratie und einer freien Gesellschaft nach westlichem Modell kommen?”

Al-Lawindi: “In der ganzen Region sind die Islamisten sehr stark. Die ganze Region schwimmt auf dieser Welle, nicht nur Ägypten. Schauen Sie sich die anderen Länder an. Die Ägypter haben den politischen Flügel der Muslimbruderschaft ins Parlament gewählt. Immerhin nennt er sich “Partei für Freiheit und Gerechtigkeit”. Die Ägypter haben diese Partei gewählt. Denn wir haben keine Angst vor den Islamisten. Es ist der Westen, der Angst hat. Der Westen macht sich Sorgen. Wir sind doch alle Muslime. Wir fürchten uns nicht. Der Westen hat die Islamisten zu einem Gespenst aufgebaut, und deshalb fürchtet sich der Westen.”

Euronews: “In welche Richtung geht Ägypten?”

Al-Lawindi: “Das ist eine schwierige Frage. Es gibt viele Parteien, eine neue Welt, neue Werte. Ich glaube, wir müssen vorallem optimistisch bleiben und an die Zukunft glauben. Wir müssen dem Militärrat vertrauen, dass er am 30. Juni auch wirklich abtritt, so wie er es angekündigt hat. Dann wird eine zivile Regierung übernehmen, die dem Willen des Volkes entspricht.”