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Asbest, die tödliche "Wunderfaser"

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Asbest, die tödliche "Wunderfaser"

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Aktionen der Betroffenen wie hier in Paris führten 2005 dazu, dass Asbest EU-weit verboten wurde.

Seit 1996 sind Klagen vor französischen Gerichten anhängig. In Frankreich ist Asbest seit 1997 verboten, in Deutschland seit 1993.

Asbest ist eine Sammelbezeichnung für faserförmige Silikat-Minerale. Dieses Material – lange auch “Wunderfaser” genannt – wurde so viel eingesetzt, weil es extrem hitze- und säurebeständig, eine große Festigkeit besitzt und sehr gut isoliert. Gefährlich ist es, weil die Fasern eingeatmet und dann tief in die Lunge eindringen können. Asbest ist nicht biologisch abbaubar. Der Körper kann die Fasern auch nicht wieder ausscheiden. In der Lunge verursachen sie dann chronische Entzündungen und befördern Tumorbildung. Weltweit rechnet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mit rund 100.000 Toten pro Jahr. Seit 1970 schon wird die Asbestfaser als krebserregend bewertet.

Die französische Opferanwältin Josette Roudaire beklagt das Versagen der zuständigen Institutionen in Frankreich, selbst Arbeitsmediziner hätten lange nicht richtig hingesehen, solange die Arbeiter nicht aufgeschrien haben.

So ein für ganz Europa wichtiger Aufschrei war die Eröffnung dieses Prozesses 2009 in Turin. Dabei geht es erstmalig nicht nur um Entschädigungen für Opfer – sondern um die Schuld der Verantwortlichen.

Dass Urteil – so betont Maître Jean-Paul Teissonnière, einer der französischen Opferanwälte – könnte nun zum Grundsatzurteil werden mit Beispielwirkung auch für jene Opfer und ihre Verbände, die seit 1996 in Frankreich ihre Klagen eingereicht haben.

Auch die Koordinatorin der Internationen Vereinigung für ein Asbestverbot, Laurie Kazan-Allen, sieht dieses Urteil als “historisch” an. Sie bedauert sehr, dass in Großbritannien noch nichts Vergleichbares erreicht wurde. Dort haben bisher nur einzele Opfer Entschädigungen erstritten.

Aber noch ist kein Verantwortlicher belangt worden.

Zwischen Einatmen von Asbestfasern und Krankheitsausbruch können 30 Jahre vergehen.

Die klare Entscheidung der Turiner Richter wird noch für viele Opfer von Nutzen sein.