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Die hoffnungslose Wut der Griechen

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Die hoffnungslose Wut der Griechen

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Griechenland brennt. Nicht mehr nur in hitzigen Debatten. In der Nacht nach der Zustimmung des Parlaments zu den Sparauflagen, brachen in Athens Straßen Verzweifung und Volkszorn aus. Niemand kann mehr sagen, wo hier eine Grenze verläuft zwischen empörten Bürgern und kriminellen Plünderen. Mit der Hoffnung stirbt bekanntlich auch der Bürgersinn.

Wenn sie heute in ihren Kirchen die berühmte Frage des zweifenden Gottessohnes singen:

“Oh, Herr, warum hat du mich verlassen?” , dann müsste sich der Bibelsatz eigentlich an die Regierenden der letzten Jahrzehnte richten.

Volkes Stimme klingt rundum pessimistisch.

Der Mann auf der Straß4e sagt: “Griechenland ist am Ende. Es gibt keine Hoffnung mehr. Wir werden auf einem patriotischen Weg zehn Jahre lang leiden. Einen Ausweg können nur wir selber finden.”

Und die Frau auf der Straße klagt:“Das Volk ist erschreckt und wie betäubt. Ich denke, wir brauchen einen gewaltigen Wutausbruch.”

Ob sie das so meint, wie gerade bei den Straßenschlachten mit der Polizei gesehen? Auf die Straße gehen jene, die die Zeche bezahlen müssen.

Wo sind die großen Profiteure der jahrzehntelangen Mißwirtschaft? Werden die jetzt wirklich Steuern in Millionenhöhe nachzahlen?

Der Bruch geht mitten durch das Parlament.

Nach der Abstimmung haben die beiden großen Parteien mehr als 40 Abweichler aus ihren Fraktionen ausgeschlossen.

Finanzminister Evangelos Venizelos argumentierte:

“Jeder muss jetzt begreifen, entweder wir retten das Land mit großen Opfern – oder wir bekommen eine dramatische Krise, in der unser soziales, wirtschaftliches und politisches System zerfällt. Dann marschieren wir erhobenen Hauptes direkt in die Katastrophe.”

Damit bekam er für dieses Mal noch eine Mehrheit.

Aber damit ist erst eine von drei Bedingungen der Geldgeber erfüllt. Und was wird nach den Wahlen im April? Mit wem werden Merkel & Co. dann verhandeln?

Der Wirtschaftsprofessor P.E. Petrakis von der Universität Athen nennt die Lage “sehr deprimierend für die Griechen.” Sie können ihr Leben nicht mehr planen. Und wenn man seine Zukunft nicht mehr planen kann, dann hat man auch keine Zukunft mehr. Das ist entscheidend.”

“Ein Schritt in die richtige Richtung”, hiess das karge Lob aus Brüssel nach der Abstimmung.

Aber damit sind Staatspleite oder gar Rauswurf aus der Euro-Zone noch nicht abgewendet.