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Frankreichs Wirtschaftsaussichten

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Frankreichs Wirtschaftsaussichten

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Frankreichs Wirtschaft hat zum Jahresende zugelegt. Trotz Schuldenkrise stieg das BIP von Oktober bis Dezember um 0,2 Prozent, wodurch den Franzosen die befürchtete Rezession erst einmal erspart bleibt. Die ehemals 5. Wirtschaftsmacht der Erde muss dennoch weiter vor Abwertungen durch Ratingsagenturen bangen.

Auf das gesamte Jahr 2011 bezogen war ein Wachstum von 1,7 Prozent erhofft worden – erreicht wurden am Ende 1,4 Prozent. Die Verbraucher im eigenen Land – in Frankreich wichtigster Wirtschaftsfaktor – hielten sich mit Ausgaben zurück. Dazu dürfte vor allem die steigende Arbeitslosigkeit beigetragen haben, die am Jahresende bei 9,3 Prozent lag.

Sorgen bereitet nach wie vor die sinkende Industrieproduktion. Die Wachstumsaussichten für 2012 werden von Fachleuten höchst pessimistisch beurteilt. Fragt man nach Erwartungen, ist von weiterem Arbeitsplatzabbau die Rede.
Der Wirtschaftsanalyst Eric Heyer spricht von “Strukturproblemen”. Man könne zwar mit einer auf Dienstleistungen orientierten Wirtschaft leben, meint er. Aber nicht ohne ein Minimum an Industrieproduktion. Und die ist seiner Meinung nach in Frankreich inzwischen zu niedrig. Man müsse dieses Ausbluten der französischen Industrie stoppen.

Nach dem Schock der angedrohten Abwertung durch eine Ratingagentur im Januar hatte der noch bis zum 22. April amtierende Präsident Sarkozy den Erhalt der Bestbewertung zum Maßstab seines Erfolges erklärt. Nimmt man alle maßgeblichen Wirtschaftswerte zusammen, sieht es gar nicht gut aus. Das Haushaltsdefizit von aktuell 5,5% Prozent des BIP könnte nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds 2012 auf 4,8 Prozent sinken. Die Staatsverschuldung, momentan bei 87 Prozent des BIP, dürfte aber im Laufe des Jahres auf über 90 Prozent steigen.

François Chaulet, Marktanalyst, erklärt, jeder veränderten Bewertung der Ratingagenturen gehen Beobachtungen über 2 bis 3 Monate voraus. Und da komme jetzt schon die Präsidentenwahl im April ins Spiel, weil davon abhänge, nach welchem Wirtschaftsprogramm Frankreich künftig geführt werde.

In Frankreich bescheren die Feste zum Jahresende dem Einzelhandel regelmäßig Rekordumsätze.
Dafür drehen dann vielen Franzosen zu Jahresbeginn jeden Euro dreimal um – und befördern nicht mehr das Wirtschaftswachstum.