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Twitter, Facebook und ein Slogan aus den frühen 80ern

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Twitter, Facebook und ein Slogan aus den frühen 80ern

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Vor dem Fernsehauftritt in den 20-Uhr-Nachrichten des privaten französischen Senders TV hatte es schon von der offiziellen Seite getwittert, was eigentlich alle schon wussten: Nicolas Sarkozy will es noch einmal wissen. Auch wenn er nicht alles richtig gemacht habe, trete der Präsident noch einmal an, das habe er vor Wochen entschieden, erklärte Nicolas Sarkozy. Schon vor Wochen hatte ja auch die Kanzlerin Angela Merkel versprochen, die Wahlkampftrommel für Nicolas zu rühren, so wie das unter konservativen Parteifreunden in Europa so üblich sei. Ob die enge Zusammenarbeit mit Angela Merkel, das Merkozy-Gespann tatsächlich Sarkozys Wahlkampf hilft, bleibt abzuwarten. Tatsächlich kritisiert die Opposition, Sarkozy lasse sich von Merkel bevormunden – zwar blicken die Franzosen neidisch auf die deutschen Wirtschaftszahlen, doch beliebt sind die “reichen Deutschen” deshalb nicht unbedingt. Der in den Umfragen führende sozialistische Herausforderer Francois Hollande wartete beim Wahlkampfauftritt im nordfranzösischen Rouen am Mittwochabend noch nicht einmal den Fernsehauftritt des Präsidenten ab, um die Bekanntgabe von dessen Kandidatur als “No News” zu kritisieren.
Zwei Wochen früher als ursprünglich von den Wahlkampstrategen geplant hat Nicolas Sarkozy die heiße Phase des Wahlkampfes eröffnet. Der Präsident liegt in den Umfagen zurück. Es hagelte auch mehr und mehr Kritik, der Präsident führe den Wahlkampf auf Kosten der Steuerzahler statt aus der Parteikasse seiner UMP.
An diesem Donnerstag startet der Präsident seine Frankreich-Tour in der Alpenstadt Annecy – eine Hochburg des Tourismus und der begüterteren Franzosen. Schon seit Dienstagabend ist die facebook-Seite des französischen Präsidenten runderneuert, dabei weisen viele Politikbeobachter in Paris darauf hin, dass Sarkozys Slogan “La France forte” – “Das starke Frankreich” alles andere als neu ist: derselbe Spruch warb 1981 für Valéry Giscard d’Estaing. Und manche fragen sich schon, ob diese alte Parole eine gute Idee ist, denn bekanntlich hat VGE 19181 gegen Francois Mitterrand verloren. So sind es denn auch vor allem Sarkozy-Gegner, die dafür sorgen, dass sich der Hashtag #Giscard plötzlicher Beliebtheit erfreut. Einige Beobachter weisen jedoch darauf hin, dass das Sarkozys Foto eher wie das von Mitterrand aufgenommen sei.
Als neue Strategie hat Frankreichs Präsident am Mittwochabend verkündet, dass er bei strittigen Fragen die Meinung der Franzosen per Volksbefragung einholen möchte. Darauf antworten die Sarkozy-Gegner, das wahre Referendum finde in der zweiten Runde am 6. Mai statt. Und mehrere Tausend haben sich schon seit Monaten auf facebook verabredet, um an diesem Sonntagabend im Mai eine Sarko-Abwahl-Party zu feiern…