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Italien: Katholische Kirche soll besteuert werden

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Italien: Katholische Kirche soll besteuert werden

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Italiens Regierung will die katholische Kirche besteuern. Geplant ist eine Grundsteuer auf kirchliche Gebäude, die kommerziellen Zwecken dienen – wie zum Beispiel Hotels. Das gilt für alle Religionen, trifft aber praktisch nur die Katholiken.
 
Die katholische Kirche ist in Italien ein riesiger Grundeigentümer: Landesweit besitzt sie mehr als hunderttausend Gebäude im Wert von schätzungsweise neun Milliarden Euro.
 
Umstritten sind zum Beispiel Einrichtungen, in denen Mönche oder Nonnen wohnen oder sich eine Kapelle befindet, nebenbei aber auch Zimmer vermietet oder ein Krankenhaus betrieben werden.
 
Diese gemischte Nutzung war bisher vollständig von
einer solchen Steuer befreit. Nun soll aber zwischen kirchlichen und kommerziellen Zwecken aufgeteilt werden: Die letzteren unterliegen dann der Grundsteuer.
 
Italien sei mehrheitlich katholisch, sagt Riccardo Nencini, der Vorsitzende der kleinen Sozialistischen Partei. Die Christen würden Steuern zahlen, die Kirche aber nicht. Es sei nur gerecht, dass sie für ihre kommerziellen Unternehmungen auch ihren Anteil entrichte.
 
Es müsse allgemeine Regeln geben für alle gemeinnützigen Einrichtungen, sagt dagegen Angelino Alfano, Vorsitzender der konservativen PdL; nicht nur um die Kirche zu bestrafen. Dann werde man das wohlwollend prüfen.
 
Die Forderung ist alt, die Krise verleiht ihr nun aber Dringlichkeit. Auch die EU übt schon seit zwei Jahren Druck aus, weil sie in der generellen Steuerbefreiung eine Wettbewerbsverzerrung in der privaten Wirtschaft sieht.
 
Der Staat erhofft sich von der neuen Steuer Einnahmen von jährlich bis zu zwei Milliarden Euro. Die Kirche geht dagegen von weit weniger aus.