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Griechen ernüchtert nach Brüsseler Beschluss

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Griechen ernüchtert nach Brüsseler Beschluss

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Zum Jubeln fehlt den Griechen nach dem monatelangen Hin und Her die Kraft – ernüchtert haben sie die Einigung in Brüssel über den neuen 130-Milliarden-Euro-Kredit und einen milliardenschweren Schuldenerlass aufgenommen. Denn ob das helfen wird, daran zweifeln auch sie selbst.

Antonis Samaras, der konservative Partner in der Regierungskoalition, der sich lange gegen weitere Sparmaßnahmen gesperrt hatte, nennt die Entscheidung in Brüssel “bedeutsam und positiv”. Sie nehme die Gefahr des Staatsbankrotts, sichere Griechenlands europäische Perspektive, mache die Schulden handhabbar und öffne den Weg für die Wahlen.

Derweil demonstriert das Volk weiter. An diesem Dienstag waren es Staatsdiener und Tankstellenbetreiber, die gegen die Einschnitte im öffentlichen Dienst und gegen hohe Treibstoffsteuern protestierten.

Von Gewerkschaftsseite ist die Ansage klar: Das neue Hilfspaket und inbesondere die damit verbundenen Sparmaßnahmen seien katastrophal für die griechische Gesellschaft und die Aussichten des Landes. Sie trieben die Menschen nicht nur in Armut, sondern verschärften auch die Rezession und die Probleme des Staates, klagt Gewerkschaftsvizechef Ilias Vrettakos.

Wird Griechenland kaputt gespart? Die Leidtragenden sind nach Meinung der Experten die Normalbürger – sie bekommen weniger Lohn, während die Preise Euro-Preise bleiben. Und von den Krediten bekommen sie nichts ab, das durchschaut auch der Mann auf der Straße: Er sei alles Andere als optimistisch, erklärt ein Passant, denn all das Geld werde ja wieder in die Taschen derer fließen, die vorher Geld gegeben hätten. Von den 130 Milliarden Euro werde Griechenland nicht einmal fünf übrigbehalten. Was sei also der Gewinn dabei?

Bürger, Ökonomen und Politiker sind sich bewusst: Geld allein reicht nicht, Strukturreformen tun Not. Deutlich eingefordert wurden sie in Brüssel. Die Reformen zu beschließen und wirksam umzusetzen, wird wohl noch Jahre brauchen.