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Hellas-Haircut:"Freiwillig" oder komplett erzwungen?

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Hellas-Haircut:"Freiwillig" oder komplett erzwungen?

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Das griechische Parlament hat das Gesetz für einen Schuldenschnitt gebilligt.

Für das Gesetz stimmten die Fraktionen der Sozialisten und der Konservativen. Die beiden großen Regierungsparteien haben eine Zwei-Drittel-Mehrheit im 300-köpfigen Parlament.

Finanzminister Venizelos:“Griechenland wird den Schuldenschnitt bekommen. Die Verschuldung wird dadurch tragbar und die Märkte werden auf uns als ein anderes Land blicken als zuvor.”

Doch daran hatten die Ratingagenturen zuletzt eher gezweifelt. Auch die griechische Bevölkerung sieht für sich keine Entlastung in der Maßnahme.

Die Opposition schimpft: “Sie präsentieren die Umschuldung wie ein Stück Käse aber Sie verstecken die Mausefalle dahinter!
Glauben Sie ernsthaft das Volk so täuschen zu können? Jeder weiß, was der Käse bedeutet,- auch ohne die Falle gleich zu sehen.”

In den kommenden Tagen sollen weitere Gesetze zur Kürzung des Mindestlohnes um 22 Prozent und zu 150 000 Entlassungen im öffentlichen Dienst bis 2015 verabschiedet werden.

Ein Mann auf der Straße regt sich auf: “Man hat uns doch finanziell längst zerstört! Ich habe zwei Kinder, die noch zur Schule gehen, was soll ich denen sagen? Ich seh es schon kommen: ich werde ihnen bald keine Schulsachen mehr kaufen oder ihnen Nachhilfe bezahlen können. Das macht mich traurig und wütend!”

Sollten sich bis zum 8. März nicht genug Halter griechischer Staatsanleihen bereiterklären, an der Umschuldung teilzunehmen, wird für ALLE Gläubiger
aus dem freiwilligen Erlass der erzwungene Haircut.

Am Freitag soll den Banken und anderen Geldinstituten dann das offizielle Angebot zum Schuldenschnitt gemacht werden, wie das Finanzministerium mitteilte.

Das Umschuldungsgesetz sieht nach Angaben des Finanzministeriums vor, dass die privaten Gläubiger auch zum Forderungsverzicht gezwungen werden könnten, falls die Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt zu niedrig ausfallen sollte.

Der Schuldenschnitt soll die griechische Schuldenlast um 107 Milliarden Euro verringern.

Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Hinzu kommt der Tausch der restlichen Papiere zu deutlich schlechteren Bedingungen. Die neuen Anleihen werden bis 2015 einen Zinssatz von zwei Prozent haben. Danach wird der Zinssatz bis zum Jahr 2042 stufenweise steigen – bis 2021 auf 3,0 Prozent, danach 4,3 Prozent.

Verzicht und veränderte Konditionen summieren sich nach Berechnungen von Experten auf einen Verlust von über 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen.

“Nach jetziger Planung soll am 8. März zusammengerechnet werden, welche Banken und Geldinstitute sich zum Schuldenschnitt bereit erklärt haben und in welcher Höhe”, sagte ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministeriums.

Sollte die angepeilte Summe von 107 Milliarden Euro nicht erreicht werden, könnte die
Zwangsklausel (CAC) in Kraft treten, mit der alle Halter von griechischen Staatsanleihen gezwungen werden, am Schuldenschnitt teilzunehmen.

Danach sollen am 12. März – wenn alles nach Plan läuft – die verschiedenen Verträge zum Tausch der alten in neue Staatsanleihen unterzeichnet werden.