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Journalisten in Homs flehen um Hilfe

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Journalisten in Homs flehen um Hilfe

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Nach dem Tod der renommierten amerikanischen Journalistin Marie Colvin und dem preisgekrönten französischen Kriegsfotografen Rémi Ochlid scheinen drei Journalisten in Homs festzusitzen. In der Stadt im Westen Syriens ist seit einigen Tagen insbesondere das Viertel Bab Amro unter heftigen Artilleriefeuer. Allein an diesem Freitag wurde über fünf weitere Tote berichtet.

In dem Viertel, in dem bei einem Angriff am Mittwoch auch Colvin und Ochlid ums Leben gekommen waren, stecken jetzt drei westliche Journalisten fest. Dies wurde durch Videos bekannt, die zur Zeit im Internet zirkulieren und die zwei der Journalisten selbst in Umlauf gebracht hatten.

In den Videos sieht man die französischen Journalistin Edith Bouvier und den englischen Fotografen Paul Conroy. Sie zeigen ihre Verletzungen und bitten um schnelle ärztliche Hilfe. Beide seien zwar “okay”, jedoch müusste Bouvier, die sich das Bein gebrochen hat, “so schnell wie möglich operiert werden”.

Es wird auch erklärt, dass sowohl Conroy als auch Bouvier von Sanitätern der Freien Syrischen Armee versorgt werden, deren medizinischen Möglichkeiten jedoch begrenzt seien. Hinzu käme, dass sie sich in einer dauerhaft eher unsicheren Umgebung befänden. So sagt in Conroys Video eine Person im Hintergrund: “…wir wissen nicht genau ob wir momentan an einem sicheren Ort sind…vielleicht treffen sie uns auch hier…wir brauchen eure Hilfe, um Paul zu evakuieren.”

Der dritte Journalist, der in keinem der beiden Videos zu sehen ist, ist der in Paris arbeitende Fotograf William Daniels. Es ist wahrscheinlich, dass die Journalisten während des selben Angriffs verletzt wurden, bei dem auch Colvin und Ochlid ums Leben kamen.

In der Zwischenzeit hat der Libanesische Geheimdienst angegeben, dass das syrische Militär bewusst Bab Amro angegriffen habe, um Journalisten aus dem Westen zu töten.

Diese Aussage wird von Jean-Pierre Pierrin, Journalist bei der Pariser Zeitung Liberation, unterstützt. Pierrin, der noch letzte Woche zusammen mit Colvin in Homs gewesen ist, sagte : « Vor einigen Tagen riet man uns, Homs schnell zu verlassen und dass die syrische Armee, sollte sie uns finden, uns töten würde.”

Er fügte hinzu, dass sich syrische Führung völlig darüber im Klaren sei, dass die Presse von Homs fast live über Verbrechen gegen die Menschlichkeit berichtet. Er sagte:“Die syrische Armee hat den Befehl gegeben ‘jeden Journalisten zu töten, der syrischen Boden betritt’.”

Auch er französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister James Cameron gehen davon aus, dass die Attacken geplant waren. Beide beschuldigten die syrische Regierung, für den Tod von Colvin und Ochlid verantwortlich zu sein. So bezeichnete Sarkozy die Angriffe als “Mord” und fügte hinzu: “Die, die diesen Mord ausgeführt haben, werden dafür bezahlen.” Cameron sagte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in London, die syrische Regierung habe sich eines “Gemetzels und Mordes” schuldig gemacht.

Vertreter der syrischen Regierung wiesen die Beschuldigungen zurück. Die Journalisten seien auf eigene Verantwortung in das Land eingedrungen.

Ob die Syrische Regieung diesen Kurs noch lange durchhalten kann, bleibt abzuwarten. Denn auch die Internationale Gemeinschaft erhöht weiter den Druck auf das Regime von President Bashar al-Assad. Am Donnerstag beschuldigten UN-Ermittler Syrien, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen und forderten so indirekt ein Verfahren gegen Assad. Darüber hinaus kündigten die Vereinten Nationen an, gemeinsam mit der Arabischen Liga den ehemaligen UN-General Sekretär Kofi Annan als Vermittler in der Krise einzusetzen .

Doch fürs Erste wird die Gewalt weitergehen. Einige Beobachter vergleichen Homs, das seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss steht, bereits jetzt mit Sebrenica. In der Stadt in Bosnien-Herzogowina war es während des Bosnienkrieges 1995 zu einem Massaker mit bis zu 8.000 Toten gekommen.

Nur wenige Tage vor ihrem Tod hatte Marie Colvin noch einen schockierenden Bericht über die Situation in Homs geschrieben. Darin schrieb die erfahrene Kriegsreporterin, die seit 1985 über unzählige Kriege und Konflikte berichtet hatte, dass Syrien das Gefährlichste sei, was sie bis jetzt erlebt habe.