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Der "nicht vorbildliche" Schwiegersohn des spanischen Königs

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Der "nicht vorbildliche" Schwiegersohn des spanischen Königs

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Es war einmal eine schöne Königstochter, die verliebte sich in einen erfolgreichen Sportler.

Und weil dieses Märchen im Jahre 1997 spielte, durfte Infantin Christina, jüngste Tochter des Königs von Spanien, ihren Handball-Star Iñaki Urdangarin auch heiraten. Der Schwiegervater verlieh dem jungen Ehemann die Titel “Herzog von Palma de Mallorca”. Drei Jahre spielte lang spielte der Schwiegersohn noch Handball, gewann dabei auch eine Olympiamedaille für Spanien. Dann wurde er Geschäftsmann. Und hier endet das Märchen leider schon. Denn inzwischen interessieren sich Staatsanwältig für die Geschäftspraktiken des königlichen Schwiegersohnes – von dem der König deshalb nichts mehr wissen will. Urdangarin fungierte von 2004 bis 2006, als Ko-Direktor der gemeinnützigen Stiftung “ Nóos”. Die soll für Kongresse und andere Veranstaltungen auf den Balearen und in Valencia völlig überhöhte Preise von den Behörden kassiert haben. Auch von “fiktiven Rechnungen” für nicht erbrachte Leistungen ist die Rede. Die erschwindelten Gelder soll er nach Angaben der Ermittler in seine eigenen Firmen gesteckt haben. Als die Äffäre im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geriet, wurde bekannt, dass der König schon 2006 über eine Berater seinem Schwiegersohn nahegelegt haben soll, sich geschäftlich aus Spanien zurück zu ziehen.
2009 verlegte jener dann seinen Hauptwohnsitz nach Washington, wo er seither mit Gattin und vier Kindern lebt. Seither geht der Palast immer weiter auf Distanz. Der Palastsprecher verkündete, wegen seines “ nicht vorbildlichen Benehmens” werde der Herzog von Palma keine offiziellen royalen Aufgaben mehr wahrnehmen. Und hat die Staatsanwaltschaft ganz offiziell den Herzog vorgeladen. Die Verwicklung in die Affäre von Politikern der konservativen Partei, gegen die die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt, wird in diesem Bericht bewußt ausgeklammert. Nie zuvor dürfte dem König seine traditionelle Weihnachtsansprache so schwergefallen sein wie. Er sagte, glücklicherweise leben wir in einem Rechtsstaat, in dem jedes Vergehen von der Justiz verfolgt wird, in dem alle vor dem Gesetz gleich sind. Als seine ganz direkte Schlußfolgerung beschloß der König, künftig auf der Website des Palastes öffentlich Rechenschaft zu geben über die Verwendung der 8,5 Millionen Euro, die der Staat dem Königshaus jährlich überweist. Bleibt die Frage, wie die spanische Monarchie das alles verkraften wird. Denn bisher sehen die Spanier in ihrem König vor allem den mutigen Mann, der ihnen den Weg zu Demokratie eröffnet hat.

euronews
Aus Barcelona ist uns Antoni Gutiérrez-Rubí zugeschaltet, spanischer Kommunikationsberater mit guten Beziehungen zu den spanischen Medien.
Seit der Wiederherstellung der Demokratie in Spanien wird der König nebst der gesamten königlichen Familie in den Medien als Vorbild für gutes Benehmen beschrieben. Quasi als “unantastbar”. Noch weiß man nicht, wie der Prozeß gegen den Ehemann der jüngsten Königstochter ausgehen wird. Trotzdem die Frage: Ist damit das schöne Bild zerbrochen? Wird das etwas ändern an den Beziehungen der Königsfamilie zu Medien und Volk?

Antoni Gutierrez-Rubi
Die große Hochachtung gegenüber der königlichen Familie gründet sich vor allem auf dem Verhalten des Königs am 23. Februar 1981, als einige Militärs die Demokratie bedrohten. Und natürlich darauf, dass die Monarchie in die erneuerte Demokratie eingebunden war und ist. Aber 30 Jahre später sieht die nun reifere demokratische Gesellschaft die Monarchie als nicht besonders transparent an. Als nicht sehr offen zur Gesllschaft. Als ausgestattet mit reichlich Privilegien und damit weit abgehoben von anderen politischen, demokratischen Institutionen in Spanien.

euronews
In seiner Weihnachtsansprache sagte der König, dass jedermann vor dem Gesetz gleich sei.
Eine notwendige Klarstellung, die einigen Bürgern nicht reicht. Hat der König den Ernst der Lage unterschätzt?

Antoni Gutiérrez-Rubí
Nein, ich denke, er ist mit der Situation schon direkt umgegangen, vielleicht etwas zurückhaltend.
Manche Spanier denken vielleicht, dass der König gewusst hat, was sein Schwiegersohn da treibt, dass er wusste, was für ein großes Haus Tochter und Ehemann führten. Ich denke, hätte er es gewusst, dann hätte er sofort eingegriffen.
Es fehlte ihm an Entschlossenheit, an Mut, öffentlich um Entschuldigung zu bitten, sein Bedauern, seine Reue auszudrücken. So konnten die Bürger denken, dass ein Mitglied der königlichen Familie, auch wenn es nur der Schwiegersohn war, Privilegien genießen würde, obwohl er sich nicht ethisch korrekt , nicht verantwortlich benommen hatte.

euronews
Welche Konsequenzen könnte der Prozeß für die Zukunft der Monarchie haben?

Antoni Gutiérrez-Rubí
Zuerst müssen wir da die Konsequenzen für das Ehepaar sehen, für Königstochter Christina und Ehemann Urdangarín. Wenn Urdangarín verurteilt wird, dürfte der Infantin Christina keine Wahl bleiben. Sie wird entweder auf den Ehemann oder auf ihre königlichen Rechte verzichten müssen.

Man kann sich schwer einen anderen Ausweg vorstellen, ohne dass die Infantin aus einer Verurteilung ihres Gatten persönliche Konsequenzen ziehen muss. Und dann wird die königliche Familie, wird der König sich öffentlich dafür entschuldigen müssen, dass ein Mitglied seiner Familie den Namen dieser Institution mißbraucht hat zum Zwecke des eigenen Vorteils. Sowas ist illegal und kann gerichtliche Konsequenzen haben.

euronews
Antoni Gutiérrez-Rubí, muchas gracias por acompañarnos y hasta la próxima.