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Russlands Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen

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Russlands Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen

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In den 80ern nannte man sie Yuppies, heute spricht man von “Kreativen” – und sie sind die treibende Kraft hinter den Protesten in Russland: Junge, gut ausgebildete und städtisch geprägte Menschen. Warum protestieren sie? “Wegen der politischen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit”, meint ein Aktivist.

Pavel Jarikow gründete in den 1990ern ein Landwirtschaftsunternehmen, später eröffnete er eine Ladenkette für Küchenmöbel. Er beklagt, er habe seine Firma wegen einer illegalen Übernahme verloren. Heute gehört er zu den Gründern der Russischen Wirtschaftsunion. “Wenn wir über die Wirtschaft ohne den Rohstoffmarkt sprechen, kann man sagen, dass 20 Prozent der russischen Wirtschaft effektiv funktionieren”, meint er. “Aber das ist nicht das Verdienst von Wladimir Putin, sondern jenes der Privatunternehmer. Diese Menschen, die etwas für ihr Land tun wollen, haben oft im Westen studiert und diese Erfahrungen bringen sie in die russische Wirtschaft ein.”

Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin russischer Präsident, als sich Russland gerade von den Auswirkungen der Finanzkrise von 1998 und der eigenen Schuldenkrise erholte. Damals ging es darum, die Schulden zu reduzieren, das Wachstum anzukurbeln und die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Öl zu verringern. Heute verfügt das Land gemessen an der Kaufkraft über das sechstgrößte Bruttoinlandsprodukt der Welt und schickt sich an, der Welthandelsorganisation beizutreten. Den Menschen geht es besser als in den 1990ern, die Inflation ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr und Russland verfügt über die drittgrößten Gold- und Währungsreserven der Welt. Aber abseits dieser Zahlen ist die Lage alles andere als rosig.

Die Energieexporte haben gemessen an den Gesamtexporten zugenommen und die jüngste Krise hat die starke Abhängigkeit des Landes von den Schwankungen der globalen Öl- und Gaspreise deutlich gemacht. 2008 und 2009 erlebte Russland die erste Rezession, nach 10 Jahren des Wirtschaftswachstums. Die Regierung hat nun dringende Aufgaben zu bewältigen, sagt der Duma-Abgeordnete Igor Rudensky: “Als wir im Jahr 2000 die Arbeit aufgenommen haben, mussten wir unsere Auslandsschulden bezahlen. Daher konnten wir unsere Wirtschaft im Jahr 2000 nicht so breit fächern. Diese riesigen Schulden von fast 160 Milliarden Dollar haben unsere Entwicklung behindert. Als wir unsere Schulden fast vollständig bezahlt hatten, haben wir sofort begonnen, uns mit allen Bereichen der russischen Wirtschaft zu beschäftigen, wir haben ihnen geholfen, sich zu entwickeln.”

Heute liegen die Schulden Russlands bei weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Schulden der Unternehmen allerdings erreichten 2012 rund 500 Milliarden Dollar, das ist fast ein Drittel der Wirtschaftsleistung. Die Lage ist zwar besser als in Europa, aber der Kapitalabfluss hat sich 2011 verdoppelt. Sergei Aleksashenko, Experte für Makroökonomik, erklärt, warum die russische Wirtschaft kaum Investoren anzieht: “Die Umsätze der Öl- und Gasexporte machten 2000 25 Prozent des Budgets aus. Heute sind es 50 Prozent. Wie können wir also davon sprechen, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern? Das Investitionsklima verschlechtert sich. Während Putins Präsidentschaft hat sich Russland in puncto Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert, bei der Korruptionsbekämpfung und beim Investitionsklima. Es wird jedes Jahr schwieriger, in Russland Geschäfte zu machen.”

Wenn Putin nun versucht, zum dritten Mal in den Kreml zurückzukehren steht Russland vor den gleichen Herausforderungen wie vor 12 Jahren. Es muss seine Exportabhängigkeit reduzieren und die Wirtschaft modernisieren. Und während viel vom Kampf gegen Korruption und Bürokratie geredet wird, hat beides seit 2000 dramatisch zugenommen. Am wichtigsten aber wird es für den russischen Präsidenten wie auch seine Kollegen sein, die globale Finanzkrise zu bekämpfen, die sehr viel schlimmer ist als jene vor 12 Jahren.