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"Ein kleiner Film, mit großer Wirkung!"

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"Ein kleiner Film, mit großer Wirkung!"

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Unmittelbar nach der 84. Verleihung der Academy Awards in Los Angeles sprachen wir mit ABC-Korrespondentin Diana Alvear auf dem roten Teppich.

Andrea Bolitho, euronews:
“The Artist” hat fünf Oscars abgeräumt, darunter die wichtigsten für den besten Film, den besten Regisseur und den besten Schauspieler. Eine denkwürdige Nacht für das französische Kino!

Diana Alvear, ABC-Korrespondentin in Los Angeles:
Ganz genau, Andrea, ein kleiner Film, mit großer Wirkung, noch dazu ein französischer, dem es gelang, internationale Grenzen zu überschreiten und zu einem Lieblingsfilm zu werden, in den sich ganz Amerika verliebte. Es ist ein Stummfilm und eine Liebesgeschichte über das Kino. Genau das liebt man in Hollywood, dass man ihnen Geschichten über ihre Kinokunst erzählt. Das ist dem Film gelungen und erklärt den Erfolg des heutigen Abends.

euronews:
Der Oscar-Sieg von “The Artist” wäre vor fünf Jahren undenkbar gewesen. In wieweit ist er dem Erfolgsproduzenten Harvey Weinstein zu verdanken, dem Mann, den Meryl Streep bei den Golden Globes als Gott bezeichnete ?

Diana Alvear:
Er ist der Gott von Hollywood. Denken Sie an vergangenes Jahr, als er mit “The King’s Speech – Die Rede des Königs” triumphierte. Er hat einen sechsten Sinn für oscartaugliche Streifen. Als “The King’s Speech” antrat, hatte ihn kaum einer gesehen. Aber dann gab es immer mehr Lob, und mit den Weinstein-Brüdern wurde er zu einem sicheren Sieger. Genau so war es auch mit “The Artist”. Scheinbar chancenlos, ausgerechnet ein Stummfilm. Doch die Weinsteins machten Gold draus.

euronews:
Der Preis für den besten Schauspieler geht an einen Franzosen, Jean Dujardin, für seine Darstellung eines Stummfilmstars in “The Artist”. Man nennt ihn auch den französischen George Clooney, den echten hat ja er übrigens ausgestochen.

Diana Alvear:
Ein gößerer Star zu sein als George Clooney ist schwierig, Dujardin ist ziemlich nah dran. Niemand kannte ihn vor “The Artist”. Und heute ist er überall, Amerika hat sich in ihn verliebt. Der Mann, der vor der Kamera kein einziges Wort zu sagen braucht, wird zum besten Schauspieler. Er ist sehr komisch und wirklich der französische George Clooney!

euronews:
Auch das Rennen um die beste Schauspielerin war knapp – aber Meryl Streep holte sich ihren dritten Oscar für ihr Porträt der britischen Premierministerin Margaret Thatcher in “Die Eiserne Lady”- ihr erster seit 30 Jahren. Was gab den Ausschlag ?

Diana Alvear:
Das war glaube ich, die größte Enttäuschung des Abends, Viola Davis galt allen als Favoritin. Doch Meryl Streeps Darstellung in “The Iron Lady” war so überaus kraftvoll. Ihre Wandlung von der jungen zu der alten Margaret Thatcher finde ich einfach unfassbar.
Sie selbst war am meisten überrascht, als ihr Name fiel. Sie ging auf die Bühne und sagte, die Hälfte der Nation wäre jetzt wahrscheinlich enttäuscht wegen Viola Davis. Sie war so unglaublich dankbar und sagte, dass es wahrscheinlich ihr letzter Oscar sei und sie diesen Augenblick genieße. Sie hat ihn sich verdient, sie ist jetzt die Goldene Lady.

euronews:
Das iranische Drama “Nadar und Simin – Eine Trennung” erhielt erwartungsgemäß den Oscar für den besten fremdsprachigen Film, nach dem Golden Globe und Critic’s Choice Award. Der Film traf eindeutig ins Schwarze.

Diana Alvear:
Es war sicherlich einer der wichtigsten Momente der Show, wenn nicht der bewegendste. Der Film war eindeutig Favorit, aber es war toll zusehen, wie sich Kunst über Politik hinwegsetzte. Sie nahmen den Preis mit aller Bescheidenheit entgegen und sagten, wie wichtig es sei, über Politik hinauszuwachsen und die wahren menschlichen Konflikte anzusprechen, denn allein das zählt.