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Neuer Geldsegen der EZB für Europas Banken

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Neuer Geldsegen der EZB für Europas Banken

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Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat die Europäische Zentralbank dem Finanzsektor Billigkredite in unbegrenzter Höhe zur Verfügung gestellt. EZB-Chef Mario Draghi drängte die Banken, die aufgenommenen 530 Milliarden Euro an Unternehmen und Privathaushalte weiterzugeben, um die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln. Außerdem sollen sie mit dem geliehenen Geld Staatsanleihen kaufen.

Kurz vor Weihnachten hatten sich mehr als 500 Banken fast eine halbe Billion Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent geliehen. Jetzt griffen 800 Finanzinstitute zu und sicherten sich grünstige Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren.

Außerhalb der Eurozone stößt die Geldflut aus Frankfurt auf Unverständnis, etwa bei Mervyn King, dem Chef der Bank of England. “Die Vorstellung, dass die langfristige Billigkreditpolitik kleine Unternehmen in der Eurozone mit Geld versorgt, ist ein Märchen”, so King. “In Wirklichkeit ist dies eine Geldquelle für Banken besonders in den südlichen Mitgliedsstaaten der Eurozone, denen das Geld ausgegangen ist. Sie können sich jetzt refinanzieren, nachdem die Kunden in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres ihre Konten geleert haben und ihr Geld im nördlichen Teil Europas anlegten.”

Tatsächlich griffen beim ersten Geldsegen im Dezember vor allem südeuropäische Banken zu, aber nicht nur um ihre leeren Kassen aufzufüllen, wie Mervyn King glaubt. Mittlerweile gibt es Anzeichen, dass das günstige Geld genutzt wird, um Staatsanleihen von wirtschaftlich angeschlagenen Euro-Staaten zu kaufen. Mehrere hundert Milliarden gaben die Banken jedoch gleich zurück an die EZB, wo sie das geliehene Geld auf sicheren Konten parken.