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Bosnien-20 Jahre Misserfolge

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Bosnien-20 Jahre Misserfolge

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Sarajevo. In der Hauptstadt des Staates Bosnien-Herzegowina ist der 1. März ein wichtiger Feiertag. Auf den Tag genau vor 20 Jahren erklärte die ehemalige Teilrepublik des kommunistischen Vielvölkerstaates Jugoslawien ihre Unabhängigkeit.

Aber schon das geschah im Streit. Zwar votierten damals 99,4% der Wähler für die Unabhängigkeit. Aber die Serben, die rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, boykottierten die Abstimmung und gründeten anschließen ihren eigenen Staat. Dem Journalisten Senad Hadzifejzovic ist diese Zeit zwischen 1. März und 2. April 1992 noch besonders lebhaft in Erinnerung. Damals kursierte der Satz, “wenn das geschieht, gibt es Krieg”. Und am 2. April begann er seine Nachrichtensendung mit dem Satz: “Guten Abend. Es ist Krieg”. Er nennt es den schlimmsten Satz, den ein Journalist jemals zu sagen hatte .

Aus Sarajewo lernte die Welt dann neue Formen des Grauens kennen. Die Straße, die im Einschußbereich serbischer Scharfschützen lag, wurde weltweit bekannt unter dem makabren Namen “Sniper-Avenue”. Der Krieg dauerte drei Jahre. Mehr als hunderttausend Menschen starben. Mehr als 2 Millionen wurden Opfer von Flucht und Vertreibung. Das Land lag in Trümmern.

Bakir Izetbegovic, der Sohn des ersten Präsidenten, würdigt, dass die internationale Gemeinschaft hier soviel Geld und Energie investiert habe wie in kaum ein anderes Land. Aber nach 20 Jahren müsse man sagen, es fehlte damals an Entschlossenheit.
Er sagt: “Sie haben Bosnien-Herzegowina anerkannt und dann gesagt, wir sollen unsere eigene Entscheidung treffen. Nachdem wir das getan hatten, verhängten sie ein Waffenembargo nur gegen die Verteidiger von Bosnien-Herzogowina und schützten uns nicht davor, abgeschlachtet zu werden.”

Beim Friedensabkommen von Dayton hatten die Paten 1995 auf ein multi-ethnisches Land gesetzt. Zu Unrecht, wie man nach 20 Jahren sieht.

Bosnien-Herzegowina gilt als einer der korruptesten Staaten, in dem nur die Bürokratie blüht. Die drei Völker sind sich spinnefeind. Sie wollen nicht zusammenleben. Obwohl, wie es der Jurist und engagierter Bürger Zdravko Grebo ausdrückt, doch alle drei Völker in Armut mit verwundeten Gefühlen leben. Er will ausdrücklich nicht zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten unterscheiden. Der Mehrheit der Menschen gehe es schlecht.

Und Besserung ist nicht in Sicht. Eine deutsche Nachrichtenagentur titelte zum Jahrestag:

“20 Jahre Bosnien – Geschichte der Misserfolge.”